# 5 / 2020
22.09.2020

«Horizon Europe»: Innovation dank Kooperation

Die Schweiz ist stolz auf ihre Innovationen, auf ihre Hochschulen und Forschenden. Doch Erfolg kommt nicht von ungefähr. Ein wichtiger Baustein für den Schweizer Forschungsplatz ist die Möglichkeit der Teilnahme an den europäischen Forschungsrahmenprogrammen. Die Weiterführung dieser erfolgreichen Zusammenarbeit ist aktuell in Gefahr: Die Kündigungsinitiative hängt wie ein Damoklesschwert über der Teilnahmeberechtigung am neuen Rahmenprogramm «Horizon Europe». Für den Schweizer Forschungsplatz steht viel auf dem Spiel.

Das Wichtigste in Kürze

Das 8. europäische Forschungsrahmenprogramm «Horizon 2020» neigt sich dem Ende zu. Die Schweiz beteiligt sich heute als voll assoziiertes Land an allen Teilen des Programms – und sie tut dies sehr erfolgreich. Als Forschungsstandort lebt sie davon, dass sie ausgezeichnet ins internationale Forschungsnetzwerk eingebunden ist. Die Zusammenarbeit ist dabei nicht nur für die Hochschulen, sondern auch für die Wirtschaft zentral: Nahezu die Hälfte aller europäischen Projekte mit Schweizer Beteiligung bestehen nämlich aus Kooperationen von Hochschulen und Privatunternehmen. Und Schweizer Projekte sind dabei überdurchschnittlich erfolgreich: Sowohl gemessen an der Erfolgsquote als auch an der Anzahl Projektbeteiligungen rangiert die Schweiz auf den Spitzenplätzen.

Nun geht es darum, die fruchtbare Zusammenarbeit fortzusetzen. Der Bundesrat hat dem Parlament die Vollassoziierung am Nachfolgeprogramm «Horizon Europe» und die Beteiligungen an den Begleitprogrammen beantragt. Das 9. europäische Forschungsrahmenprogramm ist das grösste weltweit: Im Vergleich zum Vorgänger soll das Budget nochmals deutlich aufgestockt werden, von 70 auf knapp 100 Milliarden Euro. Es ist ein Programm mit ganzheitlichem Ansatz: Die verschiedenen Förderinstrumente decken praktisch die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung bis hin zur technologischen Innovation.

Doch die Schweizer Beteiligung an «Horizon Europe» steht auf dem Spiel: Auf nationaler Ebene hängt die Teilnahme der Schweiz davon ab, wie die bevorstehende Volksabstimmung über die Kündigungsinitiative am 27. September ausfällt. Der bilaterale Vertrag über die Forschung ist nämlich über die sogenannte Guillotine-Klausel mit den anderen sechs Abkommen – darunter auch das Abkommen über die Personenfreizügigkeit – verknüpft: Wird eines jener Abkommen gekündigt, verlieren auch alle anderen ihre Gültigkeit. Das gilt es unter allen Umständen zu verhindern – zum Wohle des Forschungs- und Innovationsstandorts Schweiz.

Position economiesuisse

  • Die Schweizer Forschenden müssen sich mit den Besten messen. Ohne die europäischen Programme verliert die hiesige Forschung nicht nur an Glanz, sondern auch an Qualität.
  • Die Teilnahme der Schweiz an den europäischen Rahmenprogrammen für Forschung und Bildung ist sowohl für die Entwicklung der Schweizer Hochschulen als auch für die Wirtschaft und das ganze Land wichtig: Nur eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit erlaubt der Schweiz, hohe Innovationsleistungen zu erbringen.
  • Neben der Förderung durch den Nationalfonds sind die europäischen Programme heute die bevorzugte Förderquelle für Forschungsprojekte im Inland. Die beiden Programme funktionieren ergänzend und können einander nicht ersetzen.
  • economiesuisse setzt sich für eine Vollassoziierung der Schweiz bei «Horizon Europe» ein – und lehnt die Kündigungsinitiative auch aus diesem Grund ab.