Mann im Anzug steht lächelnd in hellem Büroraum

« Aus der Sicht von ganz Europa ist zu hoffen, dass Frankreich die Budgetdisziplin wiederfindet und die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. »

Fiebermesser der Euro-Zone ist nun Frankreich

20.10.2026

Auf einen Blick

  • Frankreich muss für seine Schulden inzwischen höhere Zinsen bezahlen als Italien.
  • Steigende Risikoprämien verteuern den Schuldendienst und verschärfen so die Finanzprobleme.
  • Eine Euro-Krise 2.0 würde auch die eng verflochtene Schweizer Wirtschaft treffen und muss zwingend verhindert werden.

Lange war Italien der Patient der Euro-Zone. Heute liegt ein anderes Land im Krankenbett: Frankreich.

Über viele Jahre hinweg schauten Analysten – und auch wir – gebannt auf die Renditedifferenz zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen. Wir nannten sie die Fieberkurve: Steigt sie, zweifeln die Märkte an der Zahlungsfähigkeit eines Staates und verlangen eine höhere Risikoprämie. Italiens Kurve ist inzwischen ziemlich flach. Kerngesund ist das Land nicht, aber die Märkte trauen ihm zu, seine Finanzprobleme in den Griff zu bekommen.

Bei Frankreich zeigt das Thermometer in die andere Richtung. Paris zahlt für zehnjährige Anleihen inzwischen rund 1,4 Prozentpunkte mehr Zins als Berlin – so viel wie seit der Euro-Krise 2011/2012 nicht mehr. Die Symptome sind bekannt: Die Staatsschulden steigen unaufhaltsam, Sparbudgets scheitern im Parlament in regelmässigen Abständen, das Wirtschaftswachstum bleibt schwach. Und jeder Versuch, den Gürtel enger zu schnallen, treibt neue Gruppen auf die Strasse – zuletzt Schüler und Studierende.

Das Tückische an dieser Krankheit: Sie nährt sich selbst. Je nervöser die Geldgeber werden, desto höher die Zinsen. Je höher die Zinsen, desto teurer der Schuldendienst. Und je teurer der Schuldendienst, desto stärker ist der Spardruck in anderen Bereichen wie Investitionen.

fiebermesser

Der Schweiz können die Vorkommnisse in unserem Nachbarland alles andere als egal sein: Frankreich ist einer unserer wichtigsten Handelspartner, und bei jeder Euro-Krise flüchtet Kapital in den Franken – mit spürbaren Folgen für unsere Exportwirtschaft. Gleichzeitig zeigt der Blick nach Westen, was die Schuldenbremse wert ist: Wer seine Finanzen im Griff hat, muss die Märkte nicht fürchten.

Aus der Sicht von ganz Europa ist zu hoffen, dass Frankreich die Budgetdisziplin wiederfindet und die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Die Therapie für Frankreich ist bekannt: Budgetdisziplin und Reformen, die das Wachstum ankurbeln. Sie muss nur endlich verschrieben werden – bevor aus der Grippe eine Lungenentzündung wird. Denn eine Euro-Krise 2.0 ist das Letzte, was Europas Wirtschaft jetzt braucht.

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