Mann im Anzug steht lächelnd in hellem Büroraum

« Je länger die Strasse von Hormuz gesperrt ist, desto stärker werden die Preise steigen. Bei uns einfach etwas weniger als im Ausland. »

Rudolf Minsch

Die Preise für Energie steigen – Heizt dies auch in der Schweiz die Inflation an?

01.04.2026

Auf einen Blick

  • Schweizer Inflation reagiert auf Energiepreisschocks deutlich schwächer als im Ausland.
  • Die Hauptgründe dafür sind der starke Franken, eine hohe Energieeffizienz, höhere Abgaben auf fossile Energien sowie verzögerte Stromtarife.
  • Je länger die Strasse von Hormuz gesperrt ist, desto stärker werden die Preise aber auch in der Schweiz steigen.

Der Krieg im Nahen Osten erschüttert die Rohstoffmärkte. Die Sperrung der Strasse von Hormus und der Eintritt weiterer Akteure in den Krieg liessen jüngst die Notierungen kräftig steigen. Langsam verfestigt sich die Meinung, dass der Krieg deutlich länger dauern könnte als man sich erhoffte. Welche Auswirkungen haben die kriegerischen Ereignisse auf die Preisentwicklung in der Schweiz? Könnte die Inflationsrate auch bei uns – ähnlich wie 2022 im Euro-Raum – massiv in die Höhe schnellen?

Blicken wir auf das Jahr 2022 zurück: Die Inflationsrate stieg nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine rasch an. Im Euro-Raum stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat während des Jahres auf 10,6 Prozent. Auch die USA hatten ähnliche Preissteigerungen zu beobachten. Dort betrug die höchste Monatsinflation 9,1 Prozent. In der Schweiz hingegen erhöhte sich die Inflationsrate auf vergleichsweise harmlose 3,5 Prozent.

Gibt es Gründe anzunehmen, dass der Schweiz auch diesmal nur einen – zumindest im Vergleich zum Ausland – moderaten Inflationsschub drohen könnte?

Fünf Gründe sind im Wesentlichen verantwortlich dafür, dass sich die Notierungen an den internationalen Erdölbörsen nicht tel quel auf die Schweizer Inflationsrate auswirken:

  1. Der Franken ist relativ stark. Dies hat zur Folge, dass wir weniger für Importe bezahlen müssen, als wenn unsere Währung schwach wäre. Bei einem Wechselkurs von 1.70 zum Dollar – wie im Jahre 2001 – würde der Preisanstieg von 60 auf 110 Dollar für ein Fass Erdöl die Schweiz umgerechnet 85 Franken kosten. Bei einem Kurs von 0.80 hingegen kostet er umgerechnet «nur» 40 Franken. Oder anders ausgedrückt: Ein starker Franken verhilft uns international zu einer hohen Kaufkraft.
  2. Die Schweizer Volkswirtschaft hat eine höhere Energieeffizienz als etwa die USA oder Deutschland. Wir benötigen entsprechend weniger Energie zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Ein Vergleich mit dem nördlichen Nachbarn zeigt, dass zur Herstellung von Gütern und Dienstleistungen in Deutschland mehr als doppelt so viel Energie benötigt wird wie in der Schweiz. 

    Einen grossen Anteil am Energiekonsum machen in der Schweiz und Deutschland nach wie vor die fossilen Energieträger aus. Aber wenn wir weniger Energie benötigen für unsere Wertschöpfung, reagieren die Produzentenpreise in der Schweiz auch weniger stark auf einen Anstieg der Erdölpreise als in Deutschland. Ein Anstieg der Produzentenpreise wiederum schlägt sich verzögert schliesslich in höheren Konsumentenpreisen nieder.

  3. Die Konsumentinnen und Konsumenten geben in der Schweiz weniger für fossile Energien aus als Personen in Deutschland oder USA. Hohe Löhne und auch die Gründe 1 und 2 (starker Franken und eine höhere Energieeffizienz) sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass von allen gekauften Gütern und Dienstleistungen nur ein relativ kleiner Teil auf fossile Energien entfällt. Das Gewicht von fossilen Treib- und Heizstoffen im Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise beträgt lediglich rund 3 Prozent. In Deutschland liegt dieser Anteil bei knapp 7 Prozent, in den USA bei rund 5 Prozent.
  4. Fossile Energien werden in der Schweiz mit hohen Abgaben belastet. Die Inflation bemisst sich aber als prozentuale Steigerung des Endverkaufspreises. Wenn die internationalen Erdölpreise steigen, steigt der Heizöl- oder Dieselpreis in der Schweiz weniger stark an.
  5. Der Strompreis für Haushalte und viele KMU reagiert verzögert auf Preisschübe bei Gas und Erdöl. Die meisten dieser Kunden befinden sich in der regulierten Grundversorgung und können ihren Anbieter nicht frei wählen. Der Strompreis basiert dort auf jährlich im Voraus festgelegten, kostenbasierten Tarifen (Produktions- und Beschaffungskosten), nicht auf laufenden Börsenpreisen. Dadurch werden kurzfristige Preisschwankungen an den europäischen Strommärkten – oft stark vom Gaspreis beeinflusst – zeitlich verzögert und geglättet an die Schweizer Endkunden weitergegeben.

Beispiel: Der Liter Diesel wird derzeit mit Abgaben von insgesamt 79,6 Rappen belastet. Bei einem Produktpreis von 50 Rappen pro Liter ergibt sich ein Endverkaufspreis von rund 1,40 Franken inkl. Mehrwertsteuer von 8,1 Prozent. Verdoppelt sich der Erdölpreis von 0,50 auf 1,00 Franken, steigt der Zapfsäulenpreis auf rund 1,94 Franken pro Liter. Der im Landesindex der Konsumentenpreise relevante Preis nimmt damit lediglich um knapp 40 Prozent zu (1,94 / 1,40 – 1).  

Preiserhöhungen für Erdöl und Gas schlagen in der Schweiz also weniger stark auf die Inflationsrate durch als in anderen Ländern. Über kurz oder lang machen sie sich aber trotzdem bemerkbar. So wie der Ukraine-Krieg wird nun auch der Iran-Krieg bei uns einen Teuerungsschub zur Folge haben. Man sollte sich also nicht in falscher Sicherheit wiegen. Das schwarze Gold, wie es früher einmal genannt wurde, bleibt für die Weltwirtschaft in den nächsten Jahren wichtig. Es ist daher ziemlich simpel: Je länger die Strasse von Hormuz gesperrt ist, desto stärker werden die Preise steigen. Bei uns einfach etwas weniger als im Ausland.

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