

Auf einen Blick
- Gemäss aktuellen BFS-Szenarien könnten sinkende Schülerzahlen ab 2032 den akuten Lehrpersonenmangel entschärfen.
- Der Anteil der PH-Studierenden, die bereits während ihres Studiums unterrichten nimmt erfreulicherweise spürbar zu.
- Die besten Fachkräfte sollen unseren Nachwuchs ausbilden, Notlösungen müssen der Vergangenheit angehören.
Seit einigen Jahren sehen sich die Schweizer Schulen mit einem zunehmend gravierenden Lehrpersonenmangel konfrontiert. Spätestens im Jahr 2022 erreichte die Situation in den meisten Regionen der Schweiz einen kritischen Punkt: Zahlreiche Schulen konnten ihre offenen Stellen selbst nach dem Beginn des Schuljahres nicht besetzen. Um diese personellen Lücken zu schliessen, wurden u.a. Klassen vergrössert, Lehrpersonen dazu motiviert ihr Pensum zu erhöhen, und teilweise auch Personen ohne (vollständige) pädagogische Ausbildung eingesetzt.
Entspannung ab 2032?
Gemäss neuen Szenarien des BFS dürfte sich der Lehrpersonenmangel in den kommenden Jahren allmählich entschärfen. Aufgrund des markanten Rückgangs der Geburtenziffer wird erwartet, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf der Primarstufe zwischen 2027 und 2034 um rund 7 Prozent bzw. 52’000 Kinder sinkt (vgl. Abbildung 1). Dadurch dürfte sich auch der Bedarf an neuen Lehrpersonen bis 2034 um etwa 40 Prozent auf rund 3’200 reduzieren (vgl. Abbildung 2). Ab 2032 könnte das Angebot an neu ausgebildeten Lehrpersonen den Bedarf in den meisten Regionen decken.
Abbildung 1
Auf der Sekundarstufe I hingegen wird die Zahl der Lernenden gemäss BFS bis etwa 2030 weiter steigen und danach einige Jahre stagnieren. Zwischen 2025 und 2034 wird mit einem Zuwachs von rund 5 Prozent bzw. 13’000 Schülerinnen und Schülern gerechnet (vgl. Abbildung 1). Da das jährliche Wachstum der Lernendenzahlen künftig deutlich geringer ausfallen dürfte als in den letzten Jahren, sinkt der jährliche Bedarf an neuen Lehrpersonen trotz steigender Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler, von derzeit rund 3’400 auf etwa 2’600 pro Jahr (vgl. Abbildung 2).
Abbildung 2
Trotz absehbarer Entspannung dürfte der Lehrpersonenmangel in den kommenden Jahren bestehen bleiben. Zwischen 2025 und 2034 können voraussichtlich nur rund 85 Prozent des Bedarfs gedeckt werden. Teilqualifizierte oder fachfremde Lehrpersonen werden also weiterhin nötig sein.
Immer mehr PH-Studierende übernehmen Verantwortung im Klassenzimmer
Die Folgen des Lehrpersonenmangels bildet sich auch in der Qualifikation der Lehrpersonen ab, wie der Bericht des BFS zeigt: Der Anteil qualifizierter Lehrpersonen ist seit 2019 deutlich gesunken. Auf der Primarstufe sank er von 74 auf 61 Prozent, auf der Sekundarstufe I sogar von 51 auf 34 Prozent. Besorgniserregend ist, dass inzwischen jede sechste Lehrperson auf der Sekundarstufe I gar nicht qualifiziert ist. Gleichzeitig nahm der Anteil der PH-Studierenden, die bereits während ihres Studiums unterrichten, spürbar zu – auf 23 Prozent auf der Primar- und 19 Prozent auf der Sekundarstufe I. Damit können PH-Studierende früh Verantwortung in einer Schule übernehmen und sammeln wertvolle Praxiserfahrungen, ein Modell, das auch künftig gefördert werden sollte.
Die Schule braucht Profis, nicht Notlösungen
Der Einsatz fachfremder oder nicht qualifizierter Lehrpersonen hat zwar kurzfristig geholfen, den Unterricht sicherzustellen, belastet jedoch das bestehende Personal und gefährdet langfristig die Unterrichtsqualität. Spätestens ab 2032, wenn genügend PH-Absolventinnen und -Absolventen verfügbar sind, sollte auf solche Notlösungen verzichtet und die Eignung von Lehrpersonen noch gezielter geprüft werden. Entscheidend ist, dass die geeignetsten Fachkräfte für die Bildung unserer Kinder verantwortlich sind, denn solide Lese- und Rechenkompetenzen sind die Grundlage für den erfolgreichen Übertritt und Abschluss auf Sekundarstufe II.
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