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​​Grande-Dixence-Index 2025: Winterstromproduktion stagniert trotz Spitzenjahr bei den Erneuerbaren

05.06.2026

Auf einen Blick

Die Entwicklung der Stromversorgung zeigt ein besorgniserregendes Bild: Beim Winterstrom herrscht praktisch Stillstand, die Revision des KKW Gösgen im vergangenen Winter hat zu einer enormen Importabhängigkeit geführt und der Rückstand zu den gesetzlichen Zielen wächst. Dies trotz einem absoluten Spitzenjahr 2025 beim Ausbau der Erneuerbaren.

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Die Schweizer Stromversorgung weist strukturelle Probleme auf. Im langfristigen Vergleich schlägt sich der Kapazitätsausbau der Erneuerbaren kaum in zusätzlichem Winterstrom nieder. Der massive Ausbau der Produktionskapazität in den letzten zehn Jahren, der fast ausschliesslich auf das Konto der Erneuerbaren geht, hat kaum zu einer Verbesserung der Winterstromsituation geführt. Seit dem Wegfall des KKW Mühleberg im Jahr 2019 wurden die restlichen Kernenergieanlagen mit höherer Auslastung betrieben.

Im vergangenen Winter importierte die Schweiz bis zur Hälfte ihres Tagesverbrauchs

Dieses Gesamtbild bestätigte und akzentuierte sich im vergangenen Winter. Die verlängerte Abschaltung des Kernkraftwerks Gösgen zwischen Sommer 2025 und März 2026 machte erhebliche Stromimporte erforderlich, um die Versorgungsicherheit der Schweiz zu gewährleisten. Dies hat die Notwendigkeit ausreichender und zuverlässiger Erzeugungskapazitäten in den Wintermonaten erneut verdeutlicht:

Im Winterhalbjahr 2025 / 2026 hat die Schweiz netto 6.7 Terawattstunden (TWh) Strom importiert. Je nach Betrachtungszeitraum stammten durchschnittlich ein Fünftel bis ein Drittel des täglichen Strombedarfs aus dem Ausland. An Spitzentagen war es mehr als die Hälfte. Über das gesamte Winterhalbjahr (182 Tage) musste die Schweiz an 168 Tagen Strom importieren. Im «kritischen» Teil des Winters – Anfang Dezember bis Ende Februar – waren es an 87 von 90 Tagen.

Tabelle zur Versorgungssicherheit mit Strom aus dem Ausland im Winterhalbjahr 2025/2030

Strukturelles Problem verschärft sich: Stromklumpen im Sommer, Stromlücke im Winter

Der aktuelle Strommix der Schweiz ist somit durch ein saisonales Ungleichgewicht gekennzeichnet. Im Winter stützt sich die Schweiz hauptsächlich auf Wasserkraft und Kernenergie. Im Durschnitt der letzten 10 Jahre haben Kernkraftwerke etwa 40 Prozent des Winterstroms beigetragen. Aufgrund der geringen Windenergieproduktion und des tiefen Winteranteils der Photovoltaik spielen erneuerbare Energien in den kälteren Monaten eine untergeordnete Rolle. Im Sommer hingegen produziert die Schweiz weit mehr Strom als benötigt.

Ausbau der Erneuerbaren: Trotz Verbesserungen bleibt die Schweiz hinter den Ansprüchen zurück

Im Jahr 2025 hat die Schweiz einen bedeutenden Zubau der erneuerbaren Energien erlebt. Die Produktion konnte gegenüber 2024 um rund 2.1 Terawattstunden gesteigert werden, fast eine Verdoppelung des Ausbaus (+89%). Dies entspricht immerhin fast 90 Prozent des Zubaus, der jährlich benötigt wird, um das gesetzlich für 2035 festgelegte Ziel zu erreichen. Dennoch bleibt die Herausforderung gross: Die Schweiz muss in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr mindestens Produktionskapazitäten zubauen, die der des Staudamms Grande Dixence (2.35 TWh²) entspricht. Das gesetzliche Gesamtziel von 35 TWh bis 2035 und 45 TWh bis 2045 bei den Erneuerbaren hat sie erst zu 30 Prozent resp. 23 Prozent erreicht.

Grafik zur Geräte-Nutzung: 67% Desktop, 53% Smartphone, 8% Tablet, 10% Laptop
Balkendiagramm zur erneuerbaren Produktion und Ausbauzielen 2024 bis 2035.

Jetzt handeln

Die Schweiz muss ihre Strategie nachjustieren und diversifizieren. Monokulturen können wir uns nicht leisten, denn wir benötigen in Zukunft jede emissionsfreie Kilowattstunde, die wir kriegen können. Dafür braucht es drei Dinge:

  • Stärkeren Fokus der Erneuerbaren-Förderung auf Effizienz und zusätzlichen Winterstrom. Es braucht den richtigen Ausbau. Die Förderkriterien müssen auf die Lösung des Schweizer Winterproblems zugespitzt werden, nicht auf eine Verstärkung der Überproduktion im Sommer.
  • Aufhebung des Technologieverbots bei der Kernenergie. Der Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative schafft hier die Grundlage, um den Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke zu sichern und die Option für einen späteren Ersatz offenzuhalten. Mit der Aufhebung des Verbots wird zudem das Know-how erhalten und die Forschung am Standort Schweiz gestärkt. Der Zeitpunkt, diese Weichen zu stellen, ist jetzt.
  • Die Schweiz braucht ein Stromabkommen mit der EU. Vollständige Importabhängigkeit und Autarkie sind gleichermassen Extremlösungen, die keinen Sinn ergeben. Strom gehorcht in erster Linie physikalischen Gesetzen, nicht politischen. Eine geregelte Einbindung ins europäische Stromnetz macht unser System in jedem Fall bis zu 50 Milliarden Franken günstiger und robuster. Es ist ein «no regret move» für die Schweiz.

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