

Auf einen Blick
- Seit der Einführung des KVG haben die gesetzlichen Vorgaben stark zugenommen – mit spürbaren Folgen für die Administration und die Systemkomplexität.
- Ein wachsender Teil der Arbeitszeit fliesst in administrative Aufgaben statt in die Patientenversorgung – ein zentrales Problem angesichts des Fachkräftemangels.
- Weniger Regulierung und mehr Handlungsspielraum für die Akteure sind entscheidend, um Effizienz, Innovation und Qualität nachhaltig zu verbessern.
Das Schweizer Gesundheitswesen leidet zunehmend unter einer wachsenden Regulierungsdichte. Das ursprünglich als wettbewerblich organisiertes System konzipierte Modell hat sich im Laufe der Jahre zu einem komplexen Geflecht aus Gesetzen, Verordnungen und administrativen Vorgaben entwickelt. Diese Entwicklung belastet nicht nur die Leistungserbringer, sondern gefährdet auch die Effizienz und die Qualität der Versorgung.
Die hohe Regulierungsdichte schwächt zudem die Innovationsfähigkeit des Systems. Das zeigt sich exemplarisch an den bescheidenen Prozessinnovationen, die sich am Beispiel der digitalen Transformation manifestiert. Starre Vorgaben und komplexe Prozesse erschweren die Einführung neuer Behandlungsmethoden und digitaler Lösungen. Gerade diese Innovationen sind jedoch entscheidend, um die Versorgung langfristig effizienter zu gestalten und eine hohe Qualität bei begrenzten personellen Ressourcen sicherzustellen.
Bürokratie geht zulasten der Patientenversorgung
Seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) hat die Regulierung deutlich zugenommen. Die gesetzlichen Grundlagen wurden fast um den Faktor drei erweitert und die administrativen Anforderungen sind auf allen Ebenen gestiegen. Die Folge: Ein immer grösserer Teil der Arbeitszeit von Medizinalfachpersonen fliesst in Dokumentation und Bürokratie statt in die Behandlung von Patientinnen und Patienten.
Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels besonders problematisch. In einer Zeit, in der jede qualifizierte Fachkraft dringend benötigt wird, binden administrative Aufgaben wertvolle Ressourcen. Gleichzeitig sinkt die Attraktivität der Gesundheitsberufe, wenn der Fokus von der medizinischen Tätigkeit auf administrative Pflichten verschoben wird.
Regulierung verfehlt ihr Ziel
Bisherige Reformansätze setzten häufig auf zusätzliche Regulierung, um Kosten zu dämpfen oder die Qualität zu sichern. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dieser Ansatz mehrheitlich gescheitert ist. Mehr Vorschriften führen nicht zu besseren Ergebnissen, sondern erhöhen den administrativen Aufwand, schaffen neue Fehlanreize und lösen die grundlegenden Herausforderungen nicht.
Es müssen wieder die ursprünglichen Prinzipien des KVG angewendet werden: regulierter Wettbewerb, dezentrale Verantwortung und klare Anreize für effiziente Versorgungsprozesse. Ein funktionierender Leistungswettbewerb kann Kosten wirksamer begrenzen als eine zentrale Steuerung. Dafür müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen vereinfacht und die Handlungsspielräume der Akteure erweitert werden. Der Abbau unnötiger Bürokratie würde nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Motivation der Fachkräfte erhöhen und die Versorgungsqualität verbessern. Gleichzeitig könnten Ressourcen gezielter dort eingesetzt werden, wo sie den grössten Nutzen stiften: bei den Patientinnen und Patienten.
Konkrete Ansatzpunkte für den Abbau der Administrationslast bestehen insbesondere bei der Tarifpartnerschaft, den Bewilligungsverfahren, den Dokumentationspflichten und den Meldeprozessen. Hier können Vereinfachungen rasch Wirkung entfalten.
Dossierpolitik
Passende Artikel
Newsletter abonnieren
Jetzt hier zum Newsletter eintragen. Wenn Sie sich dafür anmelden, erhalten Sie ab nächster Woche alle aktuellen Informationen über die Wirtschaftspolitik sowie die Aktivitäten unseres Verbandes.


