

Auf einen Blick
- Mit neuen Züchtungsverfahren können Pflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Schädlinge und Wetterextreme gemacht werden.
- Sie ermöglichen stabile Ernten mit weniger Pflanzenschutzmitteln und Dünger.
- Der restriktive Gesetzesentwurf würde den Anbau heimischer Sorten de facto verunmöglichen.
Im Jahr 2020 erhielten Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna den Nobelpreis für Chemie. Sie haben in einer Studie aufgezeigt, wie mithilfe des CRISPR/Cas9-Systems gezielt Gene verändert werden können. Das Verfahren wird auch Genschere genannt, weil präzis bestimmte Abschnitte eines Genstrangs herausgeschnitten werden können. Im Unterschied zur klassischen Gentechnik wird dabei meist kein fremdes Erbgut eingebracht.
Der Nutzen von Neuen Züchtungsverfahren
Für die Land- und Ernährungswirtschaft bieten Pflanzen aus Neuen Züchtungsverfahren grosse Chancen. Sie können widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Schädlinge oder ungünstige Wetterbedingungen gemacht werden. Angesichts der veränderten Klimabedingungen müssen Pflanzen besser mit Hitze, Trockenheit oder grossen Niederschlagsmengen zurecht kommen. Mit resistenten Sorten lassen sich Ernteeinbussen verringern und Erträge stabilisieren oder gar erhöhen. Auch ökologisch bringt dies Vorteile: Ohne Ertragseinbussen kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger reduziert und damit die Qualität der Böden und Gewässer gewahrt werden. Zudem können unerwünschte Stoffe wie Allergene oder Giftstoffe reduziert und wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine gesteigert werden.
Gesetzesentwurf zu restriktiv
Die Schweizer Landwirtschaft soll laut Bundesverfassung einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung und zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen leisten. Innovationen zu blockieren, widerstrebt den Zielen einer multifunktionalen Landwirtschaft. Bisher fallen Pflanzen aus Neuen Züchtungsverfahren unter das Gentechnik-Moratorium. Auf Druck des Parlaments hat der Bundesrat einen Entwurf vorgelegt, um solche Pflanzen ohne artfremdes Erbgut eigenständig zu regulieren. Doch der Entwurf ist so restriktiv, dass der Anbau von in der Schweiz hergestellten Sorten aus Neuen Züchtungsverfahren quasi verunmöglicht wird.
Andere Länder behandeln solche Pflanzen nicht strenger als herkömmlich gezüchtete Sorten. Da sich der Einsatz neuer Züchtungsverfahren kaum nachweisen lässt, werden diese Sorten ohnehin in Schweizer Regalen landen. Die Frage ist aber, ob die heimischen Züchter innovative Verfahren anwenden und unsere Produzenten diese kommerziell Anbauen können. Aufgrund des Potenzials Neuer Züchtungsverfahren wäre es naiv, dies zu unterbinden. Mit dem vorliegenden Entwurf würde leider genau dies passieren, daher muss nachgebessert werden.
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