

Auf einen Blick
- Die Produktivität ist ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand der Schweiz.
- Sie unterscheidet sich stark zwischen den Branchen, wobei insbesondere jene Sektoren besonders produktiv sind, die stark im Export tätig sind.
- Damit international wettbewerbsfähige Unternehmen trotz Hochkostenumfeld in der Schweiz bleiben können, braucht es bestmögliche Rahmenbedingungen.
Die Schweiz zählt zu den produktivsten Ländern der Welt. Ein Blick auf die Wirtschaftsleistung pro Arbeitsstunde verdeutlicht dies: Laut Zahlen der OECD liegt die Schweiz bei der Produktivität auf Platz 5, direkt hinter den USA und vor Dänemark, Belgien oder den Niederlanden. Das Ergebnis ist umso bemerkenswerter, wenn berücksichtigt wird, dass die Produktivität kaufkraftbereinigt angegeben wird. Denn die Schweiz ist im internationalen Vergleich teuer. Dies reduziert die kaufkraftbereinigte Produktivität der Schweiz im Vergleich zu günstigeren Ländern. Die Produktivität in Schweizer Franken muss entsprechend noch höher sein, um das hohe inländische Preisniveau abzufedern.
Blickt man auf die Schweiz, dann zeigt sich, dass es deutliche Unterschiede in der Produktivität zwischen den verschiedenen Branchen gibt. Die nachfolgende Abbildung zeigt die produktivsten Branchen und wie sich ihre Produktivität in den letzten 10 Jahren entwickelt hat.
Pharmaindustrie an der Spitze
Bereits im Jahr 2013 wurde in der Pharmaindustrie die höchste Bruttowertschöpfung pro Vollzeitstelle erzielt. Seitdem hat der Spitzenreiter eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen und die bereits sehr hohe Produktivität noch einmal beträchtlich gesteigert. Im Jahr 2023 erwirtschafteten die rund 50.000 Beschäftigten (in Vollzeitäquivalenten) eine Wertschöpfung von über 50 Milliarden Schweizer Franken. Pro Vollzeitstelle generiert die Pharmaindustrie somit im Durchschnitt mehr als eine Million Franken an Wertschöpfung.
Hohe Produktivität im Schweizer Finanzsektor und in der Industrie
Die Finanzbranche ist bei den Dienstleistungen weiterhin ein Garant für hohe Produktivität. Sowohl Versicherungen als auch Banken konnten ihre Wertschöpfung pro Vollzeitstelle auf einem sehr hohen Niveau halten. Zulegen konnte die Branche bei Dienstleistungen, die ergänzend zum klassischen Banken- oder Versicherungsgeschäft erfolgen. Ein Beispiel hierfür ist die Unterstützung des Handels mit Vermögenswerten wie Aktien oder Kryptowährungen.
Schliesslich zeichnet sich auch die Schweizer Industrie durch eine hohe Produktivität aus. In der Uhrenindustrie, der Nahrungsmittelindustrie, bei der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen sowie im Fahrzeug- und Maschinenbau wird pro Arbeitskraft eine sehr hohe Wertschöpfung erzielt.
Hohe Produktivität und Export hängen zusammen
Es fällt auf, dass gerade diejenigen Branchen sehr produktiv sind, die stark im Export tätig sind. Schweizer Unternehmen verkaufen vor allem Pharmaprodukte, Maschinen, Uhren und Präzisionsinstrumente in der ganzen Welt. Im Dienstleistungssektor steuern die Finanzbranche und die IT wesentliche Anteile zum Exportvolumen bei. Dass exportorientierte Branchen häufig überdurchschnittlich produktiv sind, ist nicht überraschend. Exportieren verursacht Kosten. Daher kommt es zu einer Selbstselektion: Nur die sehr produktiven Unternehmen können gewinnbringend exportieren. Weil exportorientierte Branchen viele solcher Unternehmen haben, ist die Branche als Ganzes überdurchschnittlich produktiv. Gleichzeitig begünstigt der Export Produktivitätssteigerungen, da beispielsweise Mengenvorteile genutzt werden können, wenn nicht nur für den kleinen Schweizer Heimmarkt produziert wird.
Den Exportunternehmen Sorge tragen
Die Produktivität ist ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand der Schweiz. Denn es gibt einen klaren Konnex zwischen Produktivität und Lohnhöhe. Produktive Unternehmen zahlen besser. Umgekehrt gilt, die Löhne in der Schweiz können nur steigen, wenn auch die Produktivität ansteigt. Wirtschaft und Bevölkerung haben also ein eminentes Interesse daran, dass die Produktivität der Schweiz weiter ansteigt. Und Produktivitätssteigerungen sind auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung unabdingbar: Da jedes Jahr mehr Personen in Rente gehen als Junge nachrücken, schrumpft die inländische Erwerbsbevölkerung. Um diesen Wegfall zu kompensieren, muss neben anderen Massnahmen auch die Produktivität weiter erhöht werden. Alle Branchen sind hier gefordert. Dabei ist klar, dass wir den besonders produktiven Unternehmen Sorge tragen müssen. Es braucht bestmögliche Rahmenbedingungen am Standort Schweiz, damit auch die Unternehmen, welche sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen, trotz Hochkostenumfeld weiterhin aus der Schweiz heraus tätig sein können.
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