

Der Nationale Kontaktpunkt ist eine Erfolgsgeschichte – dies verdient Anerkennung
18.06.2026
Auf einen Blick
- Der Schweizer Nationale Kontaktpunkt für verantwortungsvolle Unternehmensführung erhält von der OECD ein hervorragendes Zeugnis.
- Sein Erfolgsrezept, Dialog, Mediation und Vertrauen statt Sanktion und Zwang, ist bei der nachhaltigen Unternehmensführung gerade jetzt zu schützen.
- Der Gegenvorschlag zur neuen Konzernverantwortungsinitiative darf dieses bewährte Instrument mit einer neuen, sanktionsbewehrten Aufsichtsbehörde nicht beschädigen.
Die OECD hat dem Schweizer Nationalen Kontaktpunkt (NKP) für verantwortungsvolle Unternehmensführung ein ausgezeichnetes Zeugnis ausgestellt. Im Rahmen einer Überprüfung – durchgeführt von den Kontaktpunkten des Vereinigten Königreichs und Islands gemeinsam mit dem OECD-Sekretariat – bescheinigt der gestern veröffentlichte Bericht dem NKP eine hohe Professionalität und Wirksamkeit. Verwaltung, Wirtschaft, Gewerkschaften, NGO und Wissenschaft nehmen das Instrument als kompetent, fair und vertrauenswürdig wahr. Gewürdigt werden insbesondere die lösungsorientierten Dialog- und Mediationsverfahren sowie die gute Verankerung in der Bundesverwaltung. Die Empfehlungen der OECD zielen auf eine Weiterentwicklung – mehr Sichtbarkeit, Transparenz und gezieltere Unterstützung von KMU.
Warum der NKP funktioniert
Der NKP ist das Kernstück der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, des umfassendsten international anerkannten Verhaltenskodex für Unternehmensnachhaltigkeit. Seine Stärke liegt in einem klaren Ansatz: Er setzt nicht auf Sanktion und Konfrontation, sondern auf Dialog, Mediation und Schlichtung. Bei Eingaben zu mutmasslichen Verstössen dient er als neutrale Plattform, die Unternehmen und Betroffene zusammenbringt, statt sie gegeneinander auszuspielen. Genau dieser kooperative Charakter begründet sein Vertrauen und seinen Erfolg. Er wirkt, weil er nicht als Behörde mit Zwangsmitteln auftritt, sondern als vermittelnde Instanz – als geschützter, nicht-justizieller Raum, den die Parteien gerade deshalb aufsuchen.
Die Bedeutung im Licht der Diskussion um Konzernverantwortung
Diese Erfolgsgeschichte erhält ihre besondere Brisanz im Kontext des Vernehmlassungsentwurfs zum Gegenvorschlag des Bundesrats zur Konzernverantwortungsinitiative (NUFG). Der Entwurf sieht eine Aufsichtsbehörde mit Durchsetzungs- und Sanktionskompetenzen sowie neue Schlichtungserfahren und weitgehende Haftungsbestimmungen vor. Gleichzeitig wird der NKP und seine Erfolgsgeschichte ignoriert. Hier ist Vorsicht geboten: Der bewährte, auf Dialog basierende NKP darf nicht durch neue, unerprobte Haftungsinstrumente oder eine sanktionsbewehrte Aufsichtsbehörde verdrängt werden. Würde der NKP durch eine parallele Struktur entwertet, beschädigte man genau jenes Vertrauen, das ihn auszeichnet. Der NKP zeigt geradezu mustergültig auf, wie man im vielschichten Bereich der globalisierten Wirtschaft mit Themen rund um Umwelt und Menschenrechte umzugehen hat. Der Gegenvorschlag zur neuen Konzernverantwortungsinitiative sieht neue Instrumente vor und riskiert dadurch, den eigentlichen Mehrwert des NKP zu zerstören – einen geschützten Raum, in dem Lösungen entstehen, die im konfrontativen Verfahren unerreichbar bleiben.
Auf Bewährtes setzen, statt es zu gefährden
Der OECD-Bericht zeigt: Die Schweiz verfügt mit dem NKP bereits über ein international vorbildliches Instrument. Die Empfehlungen der OECD zielen auf dessen Weiterentwicklung – nicht auf einen Systemwechsel hin zu Haftung, Sanktion und behördlichem Zwang. Wer verantwortungsvolle Unternehmensführung in der Schweiz stärken will, sollte auf dem Erfolgsmodell des NKP aufbauen, statt es durch eine überschiessende neue Aufsichtsarchitektur oder neue Haftungsbestimmungen im Rahmen des NUFG zu gefährden. Der Nationale Kontaktpunkt ist eine Erfolgsgeschichte – sie verdient es, geschützt und ausgebaut, nicht verschärft oder beschädigt zu werden.
Dossierpolitik
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