Porträtfoto eines lächelnden Mannes im blauen Anzug vor hellem Hintergrund

« Die Chaos-Initiative verkennt die geopolitischen, wirtschaftlichen sowie demographischen Tatsachen, denen die Schweiz gegenübersteht. »

Pascal Wüthrich

Zusätzliche Unsicherheit in einer instabilen Welt? Nein danke.

12.05.2026

Auf einen Blick

  • Die Welt wird fragmentierter, unsicherer und volatiler – geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Abschottung nehmen zu.
  • Für die exportorientierte Schweiz verschärfen sich damit die Rahmenbedingungen spürbar – offene Märkte und stabile Beziehungen werden noch wichtiger.
  • Die Chaos-Initiative schafft noch mehr Unsicherheit, statt Probleme zu lösen: Sie setzt zentrale Stärken der Schweiz in einem kritischen Moment aufs Spiel.

Die Welt wird weniger global, weniger westlich geprägt, weniger demokratisch. Sie wird fragmentierter und gefährlicher. Und sie ist volatil.

Das Vorwort der Aussenpolitischen Strategie des Bundesrates trifft es auf den Punkt. Es herrscht nach wie vor Krieg vor den Toren Europas, geopolitische Konflikte nehmen zu und das internationale Handelssystem steht unter Druck. Die «Rule of power» drängt die «Rule of law» zunehmend in den Hintergrund, multilaterale Organisationen wie die Welthandelsorganisation schwächeln und es ist ein Wandel von offenen Märkten hin zu mehr wirtschaftlicher Sicherheit festzustellen. Nationale industriepolitische Massnahmen wie Subventionen, Investitionsprüfungen, Exportkontrollen und Zölle erleben eine neue Blütezeit. Märkte werden immer stärker nach aussen abgeschottet, um der heimischen Industrie einen vermeintlichen Vorteil zu verschaffen.

Umfeld für die Schweizer Exportwirtschaft ist und bleibt anspruchsvoll

Diese globalen Umbrüche gehen auch an der Schweizer Wirtschaft und ihren Unternehmen nicht spurlos vorbei. Unsicherheit ist zur neuen Konstante geworden. Ob Zollhämmer, Seeblockaden oder Energieschocks. Konjunkturelle Abwärtsrisiken gibt es zuhauf und die Gefahr wirtschaftlicher und militärischer Kettenreaktionen bleibt bestehen. Dazu kommt in unsicheren Zeiten noch der starke Franken, der Schweizer Exporte teurer und damit weniger konkurrenzfähig macht.

Die Schweiz ist eine Exportnation. Zwei von fünf Franken verdienen wir im Handel mit dem Ausland. Unser Land hat von der Arbeitsteilung, offenen Märkten und der Globalisierung besonders stark profitiert. Wenig verwunderlich, spüren unsere Unternehmen, wenn sich die Weltlage verkompliziert und mehr Volatilität herrscht. Grössere Schocks wie beispielsweise der US-Zollhammer im letzten Jahr gefährden Arbeitsplätze sogar ganz unmittelbar.

Selbstverständlich schauen die Unternehmen nicht tatenlos zu. Sie optimieren, diversifizieren und verbessern, wo sie nur können. Gerade Schweizer Firmen haben sich in der Vergangenheit immer wieder als erstaunlich krisenresistent erwiesen. Doch es ist auch Aufgabe des Staates und der Bevölkerung, für möglichst attraktive Rahmenbedingungen zu sorgen. Denn die Wirtschaft, das sind wir alle.

Chaos-Initiative gefährdet Beziehungen zur wichtigsten Partnerin

Die Chaos-Initiative der SVP kommt zu einem denkbar ungünstigen Moment. Das aussenwirtschaftspolitische Umfeld für die Schweiz bleibt schwierig, die Bürokratie- und Abgabelast im Inland nimmt zu und die demographische Entwicklung befeuert den Arbeitskräftemangel weiter. Mit einer Rückkehr in die «gute alte Welt» kann auf absehbare Zeit nicht gerechnet werden. Die Unsicherheit wird in den nächsten Jahren zur ständigen Begleiterin.

Ein starrer Bevölkerungsdeckel ist kein sinnvolles Instrument für ein alterndes Land. Für viele innovative Firmen ist die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte ein zentraler Standortfaktor, weshalb sie sich für die Schweiz entscheiden. Zudem ist die Arbeitskräftezuwanderung unerlässlich, um das Gesundheitswesen, den öffentlichen Verkehr, die Landwirtschaft und den Bau, sprich die Versorgung und Funktionsfähigkeit der Schweiz aufrechtzuerhalten.

Darüber hinaus gefährdet die Chaos-Initiative den bilateralen Weg ganz direkt. Bereits in fünf Jahren, wenn die 9.5 Millionen-Schwelle voraussichtlich erreicht wird, droht ein Chaos in den Beziehungen zur EU. Dabei sind enge, verlässliche und stabile Beziehungen zur wichtigsten Handels- und Sicherheitspartnerin gerade im aktuellen geopolitischen Umfeld von strategischer Relevanz für unser Land. So hält auch der neuste Bericht des Nachrichtendiensts des Bundes unmissverständlich fest: Das Sicherheitsumfeld der Schweiz hat sich erheblich verschlechtert.

Stabilität sichern – Chaos-Initiative ablehnen

Wer die Weltlage korrekt analysiert und die geographischen, wirtschaftlichen sowie demographischen Tatsachen anerkennt, muss klar zum Schluss kommen, dass die Chaos-Initiative die Ausgangslage für die Schweiz weiter verschlechtert und verkompliziert. Sie schafft zusätzliche Unsicherheit.

Sie löst die bestehenden Herausforderungen im Asyl-, Wohn- und Infrastrukturbereich nicht – im Gegenteil. Dafür gefährdet sie die Bilateralen, verschärft den Arbeitskräftemangel und setzt unsere Versorgung, AHV und Lebensqualität aufs Spiel. Sie ist ein gefährlicher Bumerang für den Arbeits-, Innovations- und Wirtschaftsstandort Schweiz und trifft uns letztlich alle.

Der bilaterale Weg und die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und Talenten sind wichtige Erfolgsfaktoren der Schweiz. Wir sollten diesen Sorge tragen, statt an ihnen zu sägen. Am 14. Juni liegt es in unserer Hand, die Weichen für die Schweiz richtig zu stellen und die Chaos-Initiative abzulehnen. Die Weltlage ist angespannt genug. Umso wichtiger ist es nun, auf Stabilität und Verlässlichkeit zu setzen, statt zusätzliche Unsicherheit und Chaos zu stiften.

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