1 Zusammenfassung

Die Befragung von 2’929 Unternehmen bzw. Ausbildnern zeigt, dass viele bei ihren Lernenden Defizite in den Grundkompetenzen feststellen. Besonders kritisch werden die Kompetenzen im Schreiben und in der Mathematik beurteilt, während die Lesekompetenzen insgesamt etwas positiver eingeschätzt werden. Die grosse Mehrheit der Unternehmen beobachtet in den letzten fünf bis zehn Jahren eine Verschlechterung der Grundkompetenzen. Am häufigsten werden die Veränderungen im Bereich Schreiben wahrgenommen.

Die abnehmenden Grundkompetenzen haben spürbare Auswirkungen auf den Betriebsalltag. Die Unternehmen berichten insbesondere von einem erhöhten Betreuungs- und Coachingaufwand sowie von einer geringeren Selbstständigkeit der Lernenden. Viele Betriebe reagieren mit zusätzlichen Unterstützungsangeboten und einer intensiveren Begleitung. Der dadurch entstehende Mehraufwand wird häufig auf ein bis drei Stunden pro Woche und Lernende oder Lernenden geschätzt.

Bei den fächerübergreifenden Kompetenzen werden die digitalen und sozialen Kompetenzen insgesamt positiver beurteilt als die personalen und methodischen Kompetenzen. Während die Unternehmen bei den digitalen Kompetenzen mehrheitlich Verbesserungen beobachten, werden bei den personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen häufiger Verschlechterungen festgestellt.

2 Einleitung

Die Grundkompetenzen in den Bereichen Lesen und Schreiben in der Schulsprache und Mathematik gelten als zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in die duale Berufsbildung. Verschiedene Leistungserhebungen wie PISA und die Überprüfung der Erreichung der Grundkompetenzen (ÜGK) weisen darauf hin, dass die Kompetenzen von Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Vor diesem Hintergrund führten die Wirtschaftsverbände economiesuisse, Schweizerischer Arbeitgeberverband (SAV) und der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) eine Unternehmensbefragung durch, um zu untersuchen, ob und wie Ausbildungsbetriebe diese Entwicklung bei Lernenden zu Beginn des ersten Lehrjahrs wahrnehmen. Im Fokus stehen die Einschätzung der Grund- und fächerübergreifenden Kompetenzen, deren Entwicklung über die letzten zehn Jahre sowie die Auswirkungen auf die Ausbildungspraxis der Betriebe. Die vorliegende Auswertung dokumentiert die Ergebnisse dieser Befragung. Der Bericht verfolgt einen deskriptiven Ansatz. Die dargestellten Ergebnisse geben die Einschätzungen der teilnehmenden Betriebe wieder und enthalten keine weitergehende Interpretation.

3 Methodik

economiesuisse, der SAV und der sgv führten zwischen dem 16. Juni 2026 und 10. Juli 2026 eine Unternehmensbefragung zu den Grundkompetenzen von Lernenden durch. Der Fragebogen wurde über die Mitgliederorganisationen der drei Verbände an Unternehmen versandt. Die Unternehmen wurden gebeten, den Fragebogen von Personen ausfüllen zu lassen, die Lernende direkt betreuen oder für die Ausbildung von Lernenden verantwortlich sind.

Mit Ausnahme einer offenen Schlussfrage bestanden sämtliche Fragen aus geschlossenen Antwortformaten. Dabei handelte es sich überwiegend um Einfachauswahlfragen sowie um einige Mehrfachauswahlfragen. Mit Ausnahme der offenen Schlussfrage waren alle Fragen als Pflichtfragen ausgestaltet. Die Befragung wurde anonym durchgeführt.

Für die vorliegende Auswertung wurden ausschliesslich vollständig ausgefüllte und eingereichte Fragebogen berücksichtigt. Die geschlossenen Fragen wurden mittels Häufigkeitsanalysen ausgewertet. Dabei wurden die Verteilung der Antworten sowie die am häufigsten genannten Antwortkategorien ermittelt.

4 Beschreibung der Stichprobe

Die Befragung führte zu einem Rücklauf von insgesammt 2’929 Antworten. Es ist möglich, dass mehrere Antworten aus demselben Unternehmen stammen, sofern diese mehrere Ausbildner haben, die die Umfrage zu ihren Lernenden ausgefüllt haben.

In jeder Abbildung wird die Anzahl Antworten für die betreffende Frage ausgewiesen (n). Die meisten Fragen waren als Pflichtfragen ausgestaltet. Aufgrund der Filterführung im Fragebogen wurden jedoch nicht allen Unternehmen bzw. Ausbildnern sämtliche Fragen angezeigt. So wurden beispielsweise Unternehmen bzw. Ausbildnern, die keine Verschlechterung der Grundkompetenzen ihrer Lernenden feststellten, zu den Auswirkungen dieser Entwicklung oder zu möglichen Gegenmassnahmen nicht weiter befragt. Die in den Abbildungen dargestellten Prozentwerte beziehen sich jeweils auf die Anzahl Antworten für die betreffende Frage.

4.1 Kanton

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Verteilung der teilnehmenden Unternehmen nach Kanton. Aufgrund der unterschiedlichen Beteiligung sind einzelne Kantone in der Stichprobe stärker vertreten als andere.

4.2 Branche

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Verteilung der teilnehmenden Unternehmen nach Branchenzugehörigkeit. Da die Beteiligung zwischen den Branchen deutlich variiert, bildet die Stichprobe die Branchenstruktur der Schweizer Wirtschaft nicht proportional ab.

4.3 Unternehmensgrösse

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Verteilung der teilnehmenden Unternehmen nach Unternehmensgrösse gemessen an der Anzahl Mitarbeitenden.

4.4 Anzahl Lernende

Die Anzahl Lernende pro Unternehmen variiert zwischen 0 und 4’000. Der Median liegt bei 6, der Mittelwert bei 76.9 Lernenden pro Unternehmen.

Von den teilnehmenden Unternehmen gaben 42 an, aktuell keine Lernenden auszubilden.

Für diese Auswertung wurde ein offensichtlicher Ausreisser von 10’000 Lernenden ausgeschlossen.

Bezeichnung Minimum Median Mittelwert Maximum n
Schweiz 0 6 77 4’000 2’928

5 Bewertung der Grundkompetenzen

In diesem Kapitel wird dargestellt, in welchem Ausmass die Lernenden der befragten Unternehmen zu Beginn des ersten Lehrjahrs die Anforderungen in den Grundkompetenzbereichen Lesen und Schreiben in der Schulsprache und Mathematik erfüllen. Die Beurteilung erfolgt anhand ausgewählter Anforderungen, die sich an den im Lehrplan 21 beschriebenen Kompetenzen orientieren.

5.1 Erfüllung der Anforderungen im Lesen

In diesem Kapitel wird beurteilt, in welchem Ausmass die Lernenden der befragten Unternehmen zu Beginn des ersten Lehrjahrs die Anforderungen im Bereich Lesen erfüllen. Betrachtet werden dabei das Verständnis schriftlicher Texte sowie die Fähigkeit, relevante Informationen zu erkennen und zu verarbeiten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Anforderungen im Lesen aus Sicht der befragten Unternehmen überwiegend erfüllt werden, die Einschätzungen jedoch je nach Anforderung unterschiedlich ausfallen. Am positivsten beurteilt wird das Verständnis schriftlicher Arbeitsaufträge und Anleitungen sowie das Erfassen wesentlicher Informationen aus schriftlichen Texten. Hingegen werden das gezielte Herausfiltern relevanter Angaben aus Texten sowie das Erfassen längerer, zusammenhängender Texte von einem beträchtlichen Teil der Unternehmen als eher ungenügend oder nicht erfüllt beurteilt.

5.2 Erfüllung der Anforderungen im Schreiben

In diesem Kapitel wird beurteilt, in welchem Ausmass die Lernenden der befragten Unternehmen zu Beginn des ersten Lehrjahrs die Anforderungen im Bereich Schreiben erfüllen. Betrachtet werden die Anwendung von Rechtschreibung und Grammatik, die Formulierung und Strukturierung von Texten sowie die Fähigkeit, Inhalte schriftlich verständlich darzustellen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Anforderungen im Bereich Schreiben aus Sicht der befragten Unternehmen deutlich kritischer beurteilt werden als jene im Bereich Lesen. Besonders häufig werden Defizite bei der korrekten Anwendung von Rechtschreibung und Grammatik festgestellt. Auch die Fähigkeit, Texte klar zu strukturieren, Gedanken und Inhalte sprachlich verständlich zu verknüpfen sowie Texte adressatengerecht zu formulieren wird von mehr als der Hälfte der Unternehmen als eher ungenügend erfüllt oder nicht erfüllt bewertet. Zwar fällt die Beurteilung der Fähigkeit, zentrale Inhalte und Informationen schriftlich in eigenen Worten festzuhalten etwas günstiger aus als bei anderen Anforderungen, dennoch bewertet rund die Hälfte der Unternehmen diese als eher nicht oder nicht erfüllt.

5.3 Erfüllung der Anforderungen in Mathematik

In diesem Kapitel wird beurteilt, in welchem Ausmass die Lernenden der befragten Unternehmen zu Beginn des ersten Lehrjahrs die Anforderungen im Bereich Mathematik erfüllen. Betrachtet werden die sichere Anwendung grundlegender Rechenfertigkeiten, die Plausibilisierung von Ergebnissen, der Umgang mit Grössen und Einheiten sowie die Fähigkeit, mathematisch relevante Informationen aus Texten, Tabellen und Plänen zu entnehmen, zu interpretieren und korrekt anzuwenden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die einzelne Anforderung “Anwendung der Grundrechenarten”, wie beispielsweise Rückgeld berechnen und einfache Mengenangaben im Kopf überprüfen, positiv eingeschätzt wird. Insgesamt über alle Anforderungen hinweg beurteilen die befragten Unternehmen die mathematischen Kompetenzen der Lernenden aber eher kritisch. Der hohe Anteil der Antwortkategorie «nicht beurteilbar», dürfte damit zusammenhängen, dass insbesondere die geometrischen und räumlichen Anforderungen nicht in allen Berufsfeldern in gleicher Weise relevant sind und daher nicht von allen Ausbildungsbetrieben beurteilt werden konnte.

5.4 Erfüllung der Anforderungen im Lesen, Schreiben und in Mathematik (gemittelt)

Für die nachfolgenden Abbildungen wurden die Antwortverteilungen der einzelnen Anforderungen innerhalb eines Kompetenzbereichs gemittelt. Die Grafiken zeigen somit die durchschnittliche Beurteilung der Anforderungen in Lesen, Schreiben und Mathematik.

6 Entwicklung der Grundkompetenzen in den letzten 10 Jahren

Dieses Kapitel beleuchtet die Einschätzungen der befragten Unternehmen zur Entwicklung der Grundkompetenzen ihrer Lernenden zu Beginn des ersten Lehrjahrs über die letzten zehn Jahre. Neben der Frage, ob Veränderungen wahrgenommen werden, wird auch untersucht, seit wann diese beobachtet werden und bei welchen Ausbildungswegen sie am häufigsten auftreten. Die Auswertungen geben damit einen Einblick in die Wahrnehmung der Betriebe hinsichtlich der Entwicklung der Grundkompetenzen von Lernenden im zeitlichen Verlauf.

6.1 Entwicklung der Grundkompetenzen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, ob die befragten Unternehmen in den Grundkompetenzen ihrer Lernenden in den letzten zehn Jahren Veränderungen festgestellt haben.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen in allen drei Bereichen überwiegend eine Verschlechterung der Grundkompetenzen beobachten. Besonders ausgeprägt fällt diese Einschätzung im Bereich Schreiben aus; drei Viertel sind der Ansicht, dass sich die Schreibkompetenzen eher oder stark verschlechtert haben. Gleichzeitig berichten nur wenige Unternehmen von einer Verbesserung der Grundkompetenzen.

6.2 Beginn der beobachteten Veränderungen der Grundkompetenzen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, seit wann die befragten Unternehmen die festgestellten Veränderungen in den Grundkompetenzen ihrer Lernenden beobachten.

Die Ergebnisse zeigen in allen drei Kompetenzbereichen eine ähnliche Verteilung. Am häufigsten geben die befragten Unternehmen an, die Veränderungen seit rund fünf Jahren zu beobachten. Rund ein Viertel der Unternehmen nimmt die Veränderungen bereits seit zehn Jahren wahr, während knapp ein Fünftel sie erst seit zwei bis drei Jahren feststellt. Die beobachteten Veränderungen werden damit überwiegend nicht als neues Phänomen, sondern als Entwicklung wahrgenommen, die bereits seit mehreren Jahren besteht.

6.3 Beobachtete Veränderung nach Ausbildungsweg

Die nachfolgende Auswertung zeigt, bei welchen Ausbildungswegen die befragten Unternehmen die beobachteten Veränderungen in den Grundkompetenzen ihrer Lernenden am häufigsten feststellen. Berücksichtigt werden dabei nur Unternehmen, die zuvor eine Veränderung der Grundkompetenzen wahrgenommen haben.

Über alle drei Kompetenzbereiche hinweg werden die Veränderungen am häufigsten bei Lernenden in der dreijährigen beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) beobachtet.

7 Auswirkungen der Entwicklung auf die Unternehmen

In diesem Kapitel wird aufgezeigt, welche Auswirkungen die festgestellte Veränderung der Grundkompetenzen der Lernenden auf den Betriebsalltag der Unternehmen hat. Zudem wird dargestellt, welche Massnahmen die Unternehmen ergreifen, welcher zusätzliche zeitliche und finanzielle Aufwand damit verbunden ist und ob die Entwicklung der Grundkompetenzen ihre Bereitschaft beeinflusst, Lernende zu rekrutieren und auszubilden.

7.1 Auswirkungen der Abnahme der Grundkompetenzen auf den Betriebsalltag

Die nachfolgende Auswertung zeigt, welche Auswirkungen die Unternehmen infolge der beobachteten Abnahme der Grundkompetenzen ihrer Lernenden auf den Betriebsalltag feststellen.

Die befragten Unternehmen berichten über unterschiedliche Auswirkungen der abnehmenden Grundkompetenzen auf ihren Betriebsalltag. Am häufigsten werden ein erhöhter Betreuungs- und Coachingaufwand sowie eine sinkende Selbstständigkeit der Lernenden genannt. Ebenfalls häufig werden mehr Fehler im Arbeitsalltag und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Lernenden mit ausreichenden Grundkompetenzen genannt. Die offenen Rückmeldungen verdeutlichen die bereits in den geschlossenen Antworten sichtbaren Auswirkungen und zeigen, wie konkret sich diese im betrieblichen Alltag äussern. Sie zeigen insbesondere, dass der hohe Anteil an Unternehmen, die mehr Betreuung und Coaching angeben, im Alltag häufig mit zusätzlichem Korrekturaufwand, wiederholten Instruktionen, Unterstützung bei schulischen Aufgaben und engerer Begleitung der Lernenden verbunden ist.

7.2 Ergriffene Massnahmen, um den abnehmenden Grundkompetenzen entgegenzuwirken

Die nachfolgende Auswertung zeigt, welche Massnahmen die befragten Unternehmen als Reaktion auf die beobachtete Abnahme der Grundkompetenzen ihrer Lernenden ergriffen haben. Unterschieden wird dabei zwischen internen Angeboten innerhalb des Betriebs, externen Unterstützungsangeboten sowie dem Verzicht auf spezifische Massnahmen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen mehrheitlich aktiv auf die beobachteten Veränderungen reagieren. Am häufigsten setzen sie auf interne Massnahmen wie eine engere Begleitung der Lernenden, zusätzliche Coaching- und Unterstützungsangebote, betriebsinterne Nachhilfe sowie zusätzliche Schulungen. Externe Massnahmen umfassen vor allem Stütz- und Förderkurse, Nachhilfeunterricht und Lerncoaching-Angebote der Berufsfachschulen. Knapp ein Viertel der Unternehmen gibt an, keine spezifischen Massnahmen ergriffen zu haben, um den beobachteten Veränderungen der Grundkompetenzen entgegenzuwirken.

7.3 Geschätzter wöchentlicher Mehraufwand pro Lernende/r mit ungenügenden Grundkompetenzen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, wie hoch die befragten Unternehmen den zusätzlichen Zeitaufwand für Lernende mit ungenügenden Grundkompetenzen einschätzen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Abnahme der Grundkompetenzen für die Unternehmen mit einem spürbaren Mehraufwand verbunden ist. Fast die Hälfte der Unternehmen schätzt den zusätzlichen Aufwand auf ein bis drei Stunden pro Woche und Lernende oder Lernenden. Weitere Unternehmen gehen von einem zusätzlichen Aufwand von bis zu einer Stunde pro Woche aus. Demgegenüber geben nur sehr wenige Unternehmen an, dass kein zusätzlicher Aufwand entsteht. Insgesamt berichten die meisten Unternehmen somit von einem regelmässigen zusätzlichen Betreuungs- und Unterstützungsaufwand infolge ungenügender Grundkompetenzen.

7.4 zusätzliche Kosten aufgrund vollzogener Massnahmen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, ob die von den Unternehmen ergriffenen Massnahmen zur Unterstützung von Lernenden mit ungenügenden Grundkompetenzen mit zusätzlichen Kosten verbunden sind. Betrachtet werden dabei die von den Unternehmen geschätzten jährlichen Zusatzkosten pro Lernende oder Lernenden.

Die Ergebnisse zeigen, dass rund zwei Fünftel der Unternehmen durch die ergriffenen Massnahmen zusätzliche Kosten verzeichnen. Am häufigsten werden Zusatzkosten von bis zu CHF 2’000 pro Jahr und Lernende oder Lernenden genannt. Ein kleinerer Teil der Unternehmen berichtet von noch höheren Kosten. Gleichzeitig gibt knapp ein Fünftel der Unternehmen an, dass keine zusätzlichen Kosten entstehen. Der hohe Anteil der Antwortkategorie «nicht beurteilbar» deutet darauf hin, dass viele Unternehmen bzw. deren Ausbildner die finanziellen Auswirkungen der ergriffenen Massnahmen nicht oder nur schwer quantifizieren können.

7.5 Rekrutierungsverhalten der Unternehmen aufgrund abnehmender Grundkompetenzen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, ob die beobachtete Abnahme der Grundkompetenzen das Rekrutierungsverhalten der Unternehmen beeinflusst. Betrachtet wird insbesondere, ob Unternehmen aufgrund dieser Entwicklung weniger Lernende ausbilden oder ausbilden möchten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Abnahme der Grundkompetenzen für die Mehrheit der Unternehmen derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Anzahl der ausgebildeten Lernenden hat. Gleichzeitig gibt jedoch jedes fünfte Unternehmen an, aufgrund der Entwicklung weniger Lernende aufzunehmen oder aufnehmen zu wollen.

Die offenen Rückmeldungen unter “Sonstiges” deuten darauf hin, dass sich die Auswirkungen häufig indirekt zeigen. Viele Unternehmen berichten nicht von einem generellen Verzicht auf die Ausbildung von Lernenden, sondern von strengeren Selektionsverfahren und höheren Anforderungen bei der Rekrutierung. Wiederholt genannt werden Schwierigkeiten, ausreichend geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden, sowie eine höhere Bereitschaft, Lehrstellen unbesetzt zu lassen, wenn die Grundkompetenzen nicht ausreichen. Gleichzeitig betonen zahlreiche Betriebe, dass sie trotz der Herausforderungen weiterhin ausbilden möchten, insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.

8 Fächerübergreifende Kompetenzen

Neben der Beurteilung der Erreichung der Grundkompetenzen und deren Entwicklung, sind auch die fächerübergreifenden Kompetenzen von Interesse. Fächerübergreifende Kompetenzen sind personale, soziale, methodische und digitale Fähigkeiten, die für eine erfolgreiche Bewältigung unterschiedlicher Aufgaben in verschiedenen Lebensbereichen zentral sind. In diesem Kapitel wird dargestellt, in welchem Ausmass die Lernenden der befragten Unternehmen zu Beginn des ersten Lehrjahrs über diese Kompetenzen verfügen. Zudem wird untersucht, ob die Unternehmen in den letzten zehn Jahren Veränderungen festgestellt haben und seit wann diese beobachtet werden.

8.1 Bewertung der fächerübergreifenden Kompetenzen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, in welchem Ausmass die Lernenden der befragten Unternehmen zu Beginn des ersten Lehrjahrs fächerübergreifende Kompetenzen erfüllen. Betrachtet werden personale Kompetenzen (z. B. Selbstorganisation, Eigenmotivation und Durchhaltewille), soziale Kompetenzen (z. B. Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit), methodische Kompetenzen (z. B. kritisches und analytisches Denken sowie Problemlösungsfähigkeit) und digitale Kompetenzen (z. B. der Umgang mit digitalen Werkzeugen und KI-Anwendungen).

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kompetenzbereichen. Am positivsten werden die digitalen Kompetenzen beurteilt: Rund drei Viertel der Unternehmen bewerten diese als vollständig oder eher gut erfüllt. Auch die sozialen Kompetenzen werden mehrheitlich positiv eingeschätzt. Kritischer fallen hingegen die Einschätzungen der personalen und insbesondere der methodischen Kompetenzen aus. Während bei den personalen Kompetenzen die Bewertungen «eher gut erfüllt» und «eher ungenügend erfüllt» nahezu gleich häufig vorkommen, werden die methodischen Kompetenzen von einer Mehrheit der Unternehmen als eher ungenügend oder nicht erfüllt beurteilt.

8.2 Entwicklung der fächerübergreifenden Kompetenzen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, wie die befragten Unternehmen die Entwicklung der fächerübergreifenden Kompetenzen ihrer Lernenden zu Beginn des ersten Lehrjahrs in den letzten zehn Jahren einschätzen.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Kompetenzbereichen. Bei den personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen überwiegt die Einschätzung, dass sich diese in den letzten zehn Jahren eher oder stark verschlechtert haben. Besonders kritisch fällt die Beurteilung der methodischen Kompetenzen aus, gefolgt von den personalen Kompetenzen. Bei den sozialen Kompetenzen ist das Bild etwas weniger ausgeprägt, dennoch wird auch hier häufiger eine Verschlechterung als eine Verbesserung festgestellt. Deutlich anders zeigt sich die Entwicklung der digitalen Kompetenzen: Hier berichten die Unternehmen mehrheitlich von einer Verbesserung. Insgesamt werden die digitalen Kompetenzen damit als einziger Bereich klar positiver beurteilt als vor zehn Jahren.

8.3 Beobachtungszeitraum der Veränderung der fächerübergreifenden Kompetenzen

Die nachfolgende Auswertung zeigt, seit wann die befragten Unternehmen die beobachteten Veränderungen der fächerübergreifenden Kompetenzen ihrer Lernenden wahrnehmen. Berücksichtigt werden dabei Unternehmen, die zuvor eine Veränderung der jeweiligen Kompetenzbereiche festgestellt haben.

Die Ergebnisse zeigen über alle vier Kompetenzbereiche hinweg ein sehr ähnliches Bild. Am häufigsten geben die Unternehmen an, die Veränderungen seit rund fünf Jahren zu beobachten. Bei den personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen liegt dieser Anteil jeweils bei knapp der Hälfte der Antworten. Rund ein Viertel der Unternehmen beobachtet entsprechende Veränderungen bereits seit zehn Jahren, während rund ein Fünftel diese seit zwei bis drei Jahren wahrnimmt. Bei den digitalen Kompetenzen ist der Anteil der Unternehmen, die Veränderungen erst seit zwei bis drei Jahren beobachten, etwas höher.

9 Schlusswort

Die Ergebnisse der Befragung zeigen ein klares Bild: Viele Unternehmen stellen bei den Grundkompetenzen ihrer Lernenden Defizite fest und beobachten seit fünf bis zehn Jahren eine Verschlechterung. Besonders kritisch beurteilt werden die Schreibkompetenzen sowie zentrale mathematische Fähigkeiten. Gleichzeitig zeigen sich zunehmend Herausforderungen bei wichtigen fächerübergreifenden Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstorganisation oder kritischem Denken. Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf das Klassenzimmer, sondern werden im Betriebsalltag unmittelbar spürbar. Sie führen zu zusätzlichem Betreuungsaufwand, höheren Kosten und erschweren zunehmend die Rekrutierung geeigneter Lernender. Gleichzeitig halten die Unternehmen mehrheitlich an ihrer Ausbildungsbereitschaft fest und investieren zusätzliche Ressourcen, um ihre Lernenden zu unterstützen. Die Ergebnisse verdeutlichen damit die Bedeutung solider Grund- und fächerübergreifenden Kompetenzen für einen erfolgreichen Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung und den Arbeitsmarkt.

10 Anhang

Nachfolgend werden ergänzende Auswertungen dargestellt, die über die im Hauptteil präsentierten Ergebnisse hinausgehen. Die Analysen dienen der vertieften Betrachtung der Resultate sowie weiterer Merkmale der Stichprobe. Aufgrund ihres detaillierten Charakters werden sie im Anhang ausgewiesen, um die Lesbarkeit des Hauptberichts zu gewährleisten.

10.1 Beurteilung der Anforderungen im Lesen nach Unternehmensgrösse

10.1.1 1 – 9 Mitarbeitende

10.1.2 10 – 49 Mitarbeitende

10.1.3 50 – 249 Mitarbeitende

10.1.4 250 – 499 Mitarbeitende

10.1.5 500-2’499 Mitarbeitende

10.1.6 mehr als 2’499 Mitarbeitende

10.2 Beurteilung der Anforderungen im Schreiben nach Unternehmensgrösse

10.2.1 1 – 9 Mitarbeitende

10.2.2 10 – 49 Mitarbeitende

10.2.3 50 – 249 Mitarbeitende

10.2.4 250 – 499 Mitarbeitende

10.2.5 500-2’499 Mitarbeitende

10.2.6 mehr als 2’499 Mitarbeitende

10.3 Beurteilung der Anforderungen in Mathematik nach Unternehmensgrösse

10.3.1 1 – 9 Mitarbeitende

10.3.2 10 – 49 Mitarbeitende

10.3.3 50 – 249 Mitarbeitende

10.3.4 250 – 499 Mitarbeitende

10.3.5 500-2’499 Mitarbeitende

10.3.6 mehr als 2’499 Mitarbeitende

10.4 Ergriffene Massnahmen, um den abnehmenden Grundkompetenzen entgegenzuwirken nach Unternehmensgrösse

10.4.1 1 – 9 Mitarbeitende

10.4.2 10 – 49 Mitarbeitende

10.4.3 50 – 249 Mitarbeitende

10.4.4 250 – 499 Mitarbeitende

10.4.5 500-2’499 Mitarbeitende

10.4.6 mehr als 2’499 Mitarbeitende

10.5 Geschätzer wöchentlicher Mehraufwand pro Lernende/r mit ungenügenden Grundkompetenzen nach Unternehmensgrösse

10.5.1 1 – 9 Mitarbeitende

10.5.2 10 – 49 Mitarbeitende

10.5.3 50 – 249 Mitarbeitende

10.5.4 250 – 499 Mitarbeitende

10.5.5 500-2’499 Mitarbeitende

10.5.6 mehr als 2’499 Mitarbeitende

10.6 zusätzliche Kosten aufgrund vollzogener Massnahmen nach Unternehmensgrösse

10.6.1 1 – 9 Mitarbeitende

10.6.2 10 – 49 Mitarbeitende

10.6.3 50 – 249 Mitarbeitende

10.6.4 250 – 499 Mitarbeitende

10.6.5 500-2’499 Mitarbeitende

10.6.6 mehr als 2’499 Mitarbeitende

10.7 Rekrutierungsverhalten der Unternehmen aufgrund abnehmender Grundkompetenzen nach Unternehmensgrösse

10.7.1 1 – 9 Mitarbeitende

10.7.2 10 – 49 Mitarbeitende

10.7.3 50 – 249 Mitarbeitende

10.7.4 250 – 499 Mitarbeitende

10.7.5 500-2’499 Mitarbeitende

10.7.6 mehr als 2’499 Mitarbeitende