V.l.n.r.: Mauro Dell'Ambrogio, Tonnie de Koster, Jennifer Blake, Klaus Müller.
In seiner Einführung führte der Schweizer Staatssekretär für Bildung und Forschung, Mauro Dell’Ambrogio, die im internationalen Vergleich gute Position der Schweiz als Bildungs- und Forschungsstandort unter anderem darauf zurück, dass der Staat seine Rolle vor allem darin sehe, für die Forschung und Entwicklung optimale Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft als treibende Kraft zu schaffen. In der Schweiz konzentriere sich die öffentliche Hand auf Grundlagenforschung und überlasse die angewandte Forschung und Entwicklung weitgehend der bedarfsorientierten Wirtschaft. Er wies unter anderem auf die wichtige Rolle der Privatwirtschaft bei der Forschungsfinanzierung hin und unterstrich, dass auch ein dezentral organisiertes, föderales Bildungssystem gute Resultate erzielen kann.
Der erste Sprecher, Tonnie de Koster vom Generalsekretariat der Europäischen Kommission, stellte in seinem Referat die EU-2020-Strategie vor. Mit dieser Strategie soll die europäische Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren auf ein nachhaltiges, ökologisches und „intelligentes“ Modell mit hoher Wertschöpfung ausgerichtet werden. Um einen Misserfolg wie mit der Lissabon-Strategie zu vermeiden, sollen für jeden Mitgliedsstaat eigene Ziele definiert werden, die die individuelle Ausgangslage des Landes berücksichtigen. Mit diesem „individuellen“ Ansatz sollen auch die Regierungen besser in die Verantwortung genommen werden.
Dann erklärte Jennifer Blake vom „World Economic Forum“, weshalb die Schweiz im „Global Competitiveness Report 2009-2010“ den ersten Platz belegt. Das Wettbewerbsfähigkeits-Konzept des WEF ruht auf zwölf „Säulen“. Vor allem in den Säulen „Infrastruktur“, „Gesundheit und Schulbildung“ und „Technologische Bereitschaft“ (die die Fähigkeit misst, neue Technologien anzuwenden) rangiert die Schweiz weit oben. Für die Präsentation hatte Frau Blake, anders als im publizierten Report, die Werte der EU aggregiert, um sie mit der Schweiz und den USA zu vergleichen. Was vor allem auffiel, waren die grossen Unterschiede innerhalb der EU, die verallgemeinernde Aussagen erschweren.
Zum Abschluss zeigte Klaus Müller von F. Hoffmann-La Roche AG auf, welches aus Sicht eines Pharmaunternehmens die Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Innovationen sind. Interessant war vor allem, dass von sieben Faktoren nur zwei vom Staat beeinflusst werden können. Nämlich „Exzellenz in der Forschung“ und „Internationale Ausrichtung der Universitäten“. Herr Müller wies darauf hin, dass kontrollierte Risikobereitschaft, unter anderem um den Forschern Freiräume zu gewähren, sehr wichtig sei. Aus diesem Grund plädierte er auch für einen „bottom-up“-Ansatz in der Forschungspolitik und bestätigte hierin die Aussagen Dell‘Ambrogios über die Rolle des Staates.
Die Fragen aus dem Publikum drehten sich anschliessend um die Rolle des Staates (respektive der EU) im Bereich der Forschung und der Innovation sowie um die Möglichkeiten der Forschungsförderung.