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13.07.2012
Rückschritt bei Bahntariferhöhungen
Der Ver­band öff­ent­li­cher Verkehr (VöV) und der Preisüberwa­cher ha­ben sich heu­te bezüglich der Tarife im öff­entli­chen Verkehr geeinigt. An­statt der vor­gese­henen 5,6 Pro­zent stei­gen die Bahn­preise nur um durch­schnittlich 5,2 Pro­zent. economie­suisse be­dau­ert, dass bei der stärke­ren Be­teiligung der Nutzer an den ÖV-Kos­ten zurückgekrebst wird.

Die Leis­tun­gen des öff­entli­chen Verkehrs in der Schweiz sind aus­gezeichnet. Das ÖV-Angebot wird in der Schweiz ent­spre­chend in­ten­siv genutzt. Dieses Angebot hat aber auch sei­nen Preis. Bund, Kantone und Gemein­den allei­ne bezah­len pro Jahr über 8 Mil­liar­den Franken. Weil die Nutzer des ÖV-Angebots jedoch nach wie vor zu we­nig bezah­len, hat der Bundesrat 2011 de­shalb richti­gerweise beschlos­sen, die Nutzer des Schienennet­zes stärker an de­s­sen Kos­ten zu be­teiligen. Mit der Erhöhung der Trassen­preise um 200 Mil­lionen Franken pro Jahr wurde ein Schritt zu mehr Kostenwahrheit ge­tan. Denn die Verkehrs­un­ternehmen wer­den die­se Mehrkos­ten weitgehend an die Nutzer weiter­ge­ben.

Die heu­te kommunizier­te Einigung zwi­schen dem VöV und dem Preisüberwa­cher, die ei­ne Redukti­on der ur­sprüngl­ich vom VöV kommunizier­ten Tarif­erhöhun­gen ent­hält, setzt ein fal­sches Si­gnal an die ÖV-Nutzer. Es wird Zeit, dass die Bahnreisen­den sich stärker bewusst wer­den, dass sie die teu­ren Infra­struktu­ren viel zu günstig in An­spruch nehmen. Insbesonde­re die Besitzer von Halbtax- und Ge­ne­ral­abonnement sind nicht kostende­ckend auf dem Schwei­zer Schienennetz un­terwegs. 

Wenn man bedenkt, dass die Ei­gen­wirt­schaftlichkeit der Bahn lediglich bei knapp 50 Pro­zent liegt, ist die durch die Einigung erzielte «Ent­las­tung» der Bahnbenutzer in der Höhe von 35 Mil­lionen Franken ein Schritt in die fal­sche Rich­tung. Von ei­ner «Ent­las­tung» kann so oder so kei­ne Rede sein, denn am En­de kommen die Steu­erzah­lenden für die fehlen­den Einnah­men auf. Durch die Fixierung der Preise auf min­des­tens zwei Jah­re wird den Verkehrs­un­ternehmen zudem ver­unmöglicht, ihre Preispläne flexibel der Nach­fra­ge anzupas­sen.

Hingegen begrüsst economie­suisse die Pläne für ein Alternativ-Ge­ne­ral­abonnement, um die Nebenverkehrs­zei­ten bes­ser aus­zulas­ten. Damit wer­den Kapazitäts­engpässe ent­schärft, indem Angebot und Nach­fra­ge bes­ser auf­ein­an­der abge­stimmt wer­den. Ein stärker am Markt orientiertes Preissys­tem hilft zudem, die Preise ent­lang der Zahlungs­be­reitschaft der ÖV-Benutzer aus­zuge­stal­ten. Allerdings muss sich der Preis für ein sol­ches Alternativ-GA an den wah­ren Kos­ten orientie­ren. Die Ei­gen­wirt­schaftlichkeit der Bahn darf damit keinesfalls noch gerin­ger aus­fal­len als heu­te. Im Kl­ar­text: Der Preis des norma­len GA muss erhöht wer­den und mit dem Alternativ-GA darf nicht ein weite­res, hoch­subventioniertes Angebot für Bahnkun­den ent­stehen.

Rückfragen zum Artikel
Marcus Hassler
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Infrastruktur, Energie & Umwelt
marcus.hassler@economiesuisse.ch
Kurt Lanz
Mitglied der Geschäftsleitung
kurt.lanz@economiesuisse.ch
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Lang­­fristige In­ves­ti­tionen in Infra­­struktu­ren dür­fen nicht ver­nach­­lässigt wer­den. Fehlen­de In­ves­ti­tionen von heu­te wir­ken sich erst in ei­ner Ge­ne­­rati­on aus, sind dann aber nicht nach­­zu­holen.
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