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18.05.2012
Die gute (Markt-)Position der Post geht auf Kosten der Kunden
Im Postmarkt mangelt es an Wettbewerb. Der heute publizierte Tätigkeitsbericht der PostReg hält fest, dass die Post über einen Marktanteil von über 99 Prozent verfügt. Noch immer profitiert die Post unter anderem vom Monopol im Briefmarkt. Die Kundenzufriedenheit sinkt und die Preise im wichtigsten Briefsegment gehören zu den höchsten in Europa. Das muss sich ändern.

​Die Postregulationsbehörde (PostReg) hat heute ihren Tätigkeitsbericht veröffentlicht. Die Bilanz ist ernüchternd: Weiterhin hält die Post einen Marktanteil von über 99 Prozent. Obwohl die Schweiz im europäischen Vergleich mit den höchsten Sendungsmengen über eine sehr gute Ausgangslage verfügt, sind die Preise im wichtigsten Briefsegment (Briefe bis zu einem Gewicht von 20 Gramm) nach Norwegen und Dänemark am höchsten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich diese Positionierung der Schweizerischen Post – beziehungsweise eigentlich die Situation der Schweizer Kunden – sogar noch verschlechtert.

Hervorragende Bedingungen für die Post, unzufriedene Kunden
Nach wie vor ist dieses wichtige Briefsegment durch ein Monopol geschützt. Die Post versucht mit ihrem Briefpostpreisindex zwar immer wieder, günstige Schweizer Preise zu suggerieren. economiesuisse hat aber bereits ausführlich dargelegt, dass der von der Schweizerischen Post verwendete Preisindex einer kritischen Analyse nicht standhält. Ein weiterer Mythos, den die Post regelmässig kultiviert, wird im Bericht der PostReg ebenfalls entzaubert: die Herausforderung der schrumpfenden Briefmärkte. Die PostReg hält fest, dass die Schweiz das Land mit der höchsten Pro-Kopf-Sendungsmenge Europas ist. Jeder Einwohner der Schweiz erhält durchschnittlich über 500 adressierte Sendungen pro Jahr. Diese hohe Menge ermögliche es der Post, trotz Marktsättigung wesentliche Skalen- und Verbundeffekte zu realisieren, die weiterhin anhalten werden. Ein Grund für die Beibehaltung des Monopols ist das nicht.

Die Zufriedenheit der Kunden mit den Dienstleistungen der Post ist 2011 gesunken. Wiederholt bemängelt wurde das Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Tätigkeitsbericht der PostReg werden jedoch nur die Zufriedenheitswerte der Privatkunden genannt. economiesuisse vermisst hier die entsprechenden Angaben zur Zufriedenheit der Geschäftskunden, die mit 85 Prozent des gesamten Briefvolumens das mit Abstand wichtigste Kundensegment sind. Die von der Schweizerischen Post veröffentlichten Zufriedenheitswerte bestätigen den Verdacht: Sie liegen allesamt unter jenen der Privatkunden.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Post bei der Gestaltung von Rabattsystemen frei ist, wie auch der PostReg-Tätigkeitsbericht festhält. Sie kann damit Kunden, die aufgrund des Monopols beim grössten Briefsegment ohnehin auf die Dienstleistungen der Post angewiesen sind, im Wettbewerbsbereich mit Umsatzrabatten an sich binden. Damit ist kein echter Wettbewerb möglich. 

Kürzlich lief die Vernehmlassungsfrist zur Postverordnung aus. Im Entwurf der neuen Postverordnung ist vorgesehen, dass die Post selbst die Berechnungen vornimmt, die anschliessend zur Überprüfung der Quersubventionierung herangezogen werden. Zudem soll die Post die entsprechende Revisionsgesellschaft bestimmen. economiesuisse ist besorgt, dass dieses Vorgehen zu nicht ausreichend objektiven Berechnungen führt, die wiederum zur Überprüfung der Quersubventionierung und für den vorgesehenen Nettokostenausgleich benötigt werden. Vor dem Hintergrund der bereits äusserst starken Stellung der Post ist die im Entwurf vorgesehene Gestaltungsfreiheit problematisch – sie ermöglicht es der Post, ihre bereits starke (Markt-)Stellung gegenüber ihren Konkurrenten noch weiter auszubauen beziehungsweise zu zementieren. Die Kunden haben damit erneut das Nachsehen.

To do: Marktöffnung und objektive Berechnungsgrundlagen
Das Monopol im wichtigsten Briefsegment muss möglichst rasch fallen. Die Grundversorgung ist mehr als ausreichend finanziert. Welche Auswirkungen Monopole haben, zeigt auch der Vergleich mit den Preisen im geöffneten Teil des Schweizer Postmarkts – dort verlangt die Post verhältnismässig günstige Preise. Weiter muss die Überprüfung der Einhaltung des  Quersubventionierungsverbots auf wirklich objektiven Daten beruhen. Der Postmarkt in der Schweiz wäre für einen echten Wettbewerb zwischen Postdienstleistern geeignet. Nur wenn dieser wirklich spielt, haben auch die Kunden die Möglichkeit, von besseren Preis-Leistungs-Verhältnissen zu profitieren. Damit steigt dann wieder deren Zufriedenheit. Doch der Weg dorthin ist noch lang.

Rückfragen zum Artikel
Dr. Stefan Vannoni
Stv. Leiter allgemeine Wirtschaftspolitik & Bildung
stefan.vannoni@economiesuisse.ch
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