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09.05.2012
Entwicklungshilfe: Finanzpolitische Besonnenheit gefordert
Die Mit­tel des Bun­des für die Ent­wicklungs­hilfe sol­len auch in den nächs­ten Jahren stark stei­gen. economie­suisse plädiert für ein massvol­le­res Ausgabenwachs­tum. 0,45 Pro­zent des Brutto­natio­nal­ein­kommens müs­sen genügen.

Das Wachs­tum der Ent­wicklungs­hilfeausga­ben des Bun­des ist seit Jah­ren hoch. In den letz­ten zehn Jah­ren sind die Aus­ga­ben um fast 90 Pro­zent ge­stiegen. Das Wachs­tum der Bildungs­ausga­ben betrug im glei­chen Zeit­raum etwas mehr als die Hälfte (50 Pro­zent). Der Ge­samtbundeshaushalt wuchs um 25 Pro­zent. Die Ent­wicklungs­hilfe wuchs damit fast viermal stärker – ein rekord­trächtiges Aus­gabenwachs­tum.

Kei­ne Spielräume für an­de­re Auf­ga­ben
Der Bundesrat plant für die nächste Vierjah­res­pe­riode ab 2013 ei­nen neuerli­chen Erweiterungs­schub. Gemäss dem Beschluss des Parla­ments, die öff­entli­che Ent­wicklungs­hilfe auf 0,5 Pro­zent des Schwei­zer Brutto­natio­nal­ein­kommens (BNE) anzuhe­ben, sol­len die Mit­tel noch einmal um 700 Mil­lionen Franken zu­nehmen. Das sind mehrheitlich Stei­gerungs­ra­ten von über neun Pro­zent. Der Ver­gleich mit aktuel­len Beschlüs­sen zu wichtigen Fi­nanzierun­gen zeigt: die Bildung und For­schung soll in die­ser Legislatur um 3,8 Pro­zent, der Verkehr um 3,2 Pro­zent wach­sen. Die Wachstumsra­ten der Ent­wicklungs­hilfe sind der­art überpro­portio­nal, dass der dank Ab­bau der Bundes­schulden und tiefen Pas­sivzinsen ge­schaffene Handlungs­spielraum fast vollständig von die­ser ei­nen Auf­gabe ver­einnahmt wird. Für an­de­re Auf­ga­ben be­stehen fi­nanzi­ell kei­ne Spielräume.

0,45 Pro­zent sind genug
Die Wirt­schaft un­ter­stützt ein starkes in­ternatio­nales En­gagement der Schweiz. Die jetzt ins Au­ge gefass­ten Wachstumsra­ten ver­tra­gen sich jedoch nicht mit den Perspektiven für den Bundeshaushalt – es droht ein Kon­so­lidierungs­programm – und sind dar­um klar zu hoch. economie­suisse plädiert dafür, die Aus­ga­ben der Ent­wicklungs­hilfe auf der vom Bundesrat ur­sprüngl­ich vor­ge­schla­genen Ziel­marke von 0,45 Pro­zent des BNE festzulegen und ei­nen weite­ren An­stieg, abhängig von ei­ner zu er­stel­len­den Wirksamkeits­prüfung, an­schliessend zu be­ur­teilen. Auch bei geringe­rem Aus­gaben­an­stieg sind die Mehr­ausga­ben noch im­mer im Be­reich von meh­re­ren Hundert Mil­lionen Franken.

In­ternatio­nal sinken­der Trend
In­ternatio­nal ist der langjähr­ige Trend zu im­mer höhe­ren Ent­wicklungs­hilfezahlun­gen seit dem letz­ten Jahr gebro­chen. Die Schweiz bewegt sich bei den Zahlun­gen im Mit­telfeld. Sie hat aber ohne ehe­malige Koloni­en kei­ne Altlas­ten zu bewältigen und be­treibt auch kei­ne Exportförde­rung über die Ent­wicklungs­politik.

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Dr. Frank Marty
Mitglied der Geschäftsleitung
frank.marty@economiesuisse.ch
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