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09.06.2011
Teure Einspeisevergütung KEV: wenig Nutzen für die Stromversorgung
Der Natio­nalrat hat zum Ab­schluss der aus­seror­dentli­chen Sessi­on zur En­ergiepolitik viel Geld für die Strom­erzeugung aus So­lar­en­ergie in Aus­sicht ge­stellt. Mit der Mo­ti­on Bäumle 11.3456 soll der bisher gel­ten­de „Deckel“ des Zuschlags auf den Strom­preis von 0,9 Rappen pro Ki­lowatt­stun­de auf­geho­ben wer­den. Statt jährlich rund 500 Mil­lionen Franken soll der Bund nun bis zu meh­re­ren Mil­liar­den Franken an Subventionen aus­ge­ben können.

Die Subventionierung der Ein­speisung von Strom aus erneuerba­ren En­ergi­en mit­tels der Kostende­cken­den Ein­speisevergü­tung (KEV) erwies sich bisher als harzig. Viel we­ni­ger Pro­jekte als an­genommen konn­ten realisiert wer­den. Kleinwas­serkraft­werken und Windtur­bi­nen erwächst lokaler Wider­stand. Die Geothermie ist noch im­mer im For­schungs­stadium. Biomasse und Holz ha­ben nur ein beschränktes Poten­zi­al zur Strom­erzeugung. Einzig bei der Fotovolta­ik be­steht ei­ne länge­re Warte­liste für die Zu­teilung von Subventionen. Allerdings ist die Fotovolta­ik sowohl die teuerste als auch die unzuverlässigste Strom­erzeugungs­art.

Überdies ist die Schweiz mit rund 800 bis 1000 Sonnen­stun­den pro Jahr kein günsti­ger Stand­ort etwa im Ver­gleich zu Südspani­en mit 2000 oder Nordafri­ka mit 2400 Stun­den. Hinzu kommt, dass die heutige Was­serkraftnutzung der Schweiz zu ei­nem erhebli­chen Pro­dukti­ons­über­schuss in den Sommermo­na­ten führt. Strom aus Fotovolta­ik würde die­se Über­schüsse noch vergrössern. Die heutigen knapp 100 Spei­cherseen in den Alpen sind in der La­ge, Strom für rund 30 Tage zu la­gern. Ei­ne Verla­gerung des aus Sonnen­en­ergie herge­stell­ten Stroms in das Win­terhalbjahr („Strombatte­rie“) ist daher aus tech­ni­schen Grün­den nahezu aus­ge­schlos­sen. De­shalb trägt die Nutzung der Sonnen­en­ergie praktisch nichts zur Versorgung der Schweiz im kri­ti­schen Win­terhalbjahr bei. Die mit der Mo­ti­on beschlossene „Ent­deckelung“ der KEV erweist sich somit bei nähe­rer Be­trach­tung als in­effiziente und we­nig sinnvolle energiepolitische Massnah­me.

Deutsch­land ist kein Vorbild
Die un­gebremste Förde­rung der So­lar­strom­erzeugung in Deutsch­land wird hierzu­lan­de oft als Mus­terbei­spiel ei­ner indus­triepoliti­schen Tech­no­logie­förde­rung angeführt. Obwohl der bis En­de des Jah­res 2010 erfolgte Aus­bau der Fotovolta­ik die deut­schen Stromver­brau­cher insge­s­amt be­reits mehr als 81 Mil­liarden Eu­ro gekostet hat, be­trägt der An­teil am Strommix nur knapp zwei Pro­zent.

Der An­teil der in Deutsch­land herge­stell­ten und dort in­stallier­ten Solarmodule ist dennoch am Sinken. Gemäss im März 2011 publizier­ten Be­rech­nun­gen der Hoch­schule für Tech­nik und Wirt­schaft Berlin wer­den in Deutsch­land aktuell mehr Fotovolta­ikpro­dukte importiert als exportiert. So zeigt die Aussenhandels­statistik von Deutsch­land, dass im vergan­genen Jahr Solarmodule im Wert von 11,6 Mil­liar­den Eu­ro importiert wur­den, wohingegen der Wert der exportier­ten Solarmodule mit 5,4 Mil­liar­den Eu­ro bei we­ni­ger als der Hälfte lag. Hält die­ser Trend wei­ter an, wer­den die deut­schen Her­stel­ler über kurz oder lang von den quali­tativ hoch­stehen­den, aber wesentlich kostengünstige­ren asiati­schen Impor­ten vom Markt ver­drängt. Die mil­liar­den­schwe­re Fi­nanzierung der So­lar­en­ergie wird jedoch noch über Jahrzehnte die deut­sche Wirt­schaft be­las­ten.

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Urs Näf
Stv. Leiter Infrastruktur, Energie & Umwelt
urs.naef@economiesuisse.ch
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Im Win­ter­halb­jahr hat sich die Schweiz vom Strom­expor­teur zum Strom­impor­teur ge­wan­delt.
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