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19.10.2012
Kommentar von Pascal Gentinetta, Vorsitzender der Geschäftsleitung
Erlahmt der Reformwille?
Die Lösung der Ver­­schuldungs­­krise sei auf gu­­tem Wege, die geldpoliti­­schen «Bazookas» der Zen­­tral­banken wer­den das schon regeln. Und die über­­eifrig in Angriff genommenen Struktur­re­­form­­projekte in den über­­schulde­­ten Ländern könn­­ten in ei­ne «Aus­­teritätsfalle» füh­ren, die letztlich auch die Welt­­konjunktur gefährde. Zu diesem Ein­druck gelangt, wer ein Fazit des Herbstmeetings des In­ternatio­na­len Währungs­­fonds (IWF) in Tokio zu zie­hen versucht. Es wurde viel Zuversicht ver­breitet, viel Lob aus­­ge­spro­chen, insbesonde­re für das neue Staats­­anleihen­­programm der Eu­ropäi­­schen Zen­­tral­bank. Und bezüglich des Kon­so­lidierungs­­prozes­ses in ge­wis­sen Ländern wird ei­ne Verlangsamung für oppor­­tun ge­hal­­ten. Dieselbe Or­ganisati­on, die vor nicht allzu lan­­ger Zeit Ländern wie Südkorea oder Thai­­land har­te Spar­pro­gramme abverlangte, um an IWF-Kredi­te zu gelan­gen, preist nun ein ge­wis­ses «relâchement». Um die­se Wen­de zu rechtfertigen, wurde in Tokio ei­ne umstrittene Studie präsentiert, die auf­­zei­gen soll, welch immense volk­­wirt­schaftli­che Schäden ein rigoro­­ser Sparkurs anrich­­ten kann.

Aus kurz­fristi­ger konjunkturpoliti­scher Perspektive können sol­che Äusserun­gen verständlich sein. Spa­ren und Strukturwandel sind schmerzhafte Pro­zesse und ma­chen jede Regierung bei ih­ren Wäh­l­ern unbe­liebt. Stel­len die Zen­tral­banken viel bil­liges Geld zur Verfügung, gewinnt man etwas Zeit, ein bis­s­chen Wirt­schaftswachs­tum. Aber es be­steht auch die grosse Gefahr, dass die grundlegen­den Pro­bleme auf die lange Bank ge­scho­ben wer­den und man das En­de des Tunnels nie erreicht. Ge­rade der IWF als ei­ne Or­ganisati­on, die nicht den Launen der Ta­ges­politik aus­gesetzt ist, sollte kon­sequent Kl­ar­text spre­chen und hier ei­ne Gegenpositi­on einnehmen. Es ist nicht sei­ne Auf­gabe, kurzlebige Erfolge ins Schaufens­ter zu stel­len und bei Struktur­re­formen die Handbrem­se zu zie­hen, sondern die lang­fristige Ent­wicklung im Au­ge zu be­hal­ten und die dafür erforderli­chen schmerzhaf­ten Schritte wohlwollend zu beglei­ten.
Rückfragen zum Artikel
Dr. Pascal Gentinetta
Vorsitzender der Geschäftsleitung
pascal.gentinetta@economiesuisse.ch
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