# 5 / 2017

Die Fachkräftesituation bei Ingenieurinnen und Ingenieuren

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Der vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) publizierte Indikator zur Beurteilung der Fachkräftesituation zeigt, dass die Lage im Ingenieurwesen am gravierendsten ausfällt. Nun liefert erstmals eine gross angelegte Umfrage von economiesuisse in Kooperation mit dem Berufsverband Swiss Engineering vertiefte Einblicke in die treibenden Kräfte hinter der Fachkräftesituation bei Ingenieurberufen.

In Zusammenarbeit mit:

Swiss Engineering

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Kontakt und Fragen

Dr. Ensar Can
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Prof. Dr. Rudolf Minsch
Stv. Vorsitzender der Geschäftsleitung, Leiter allgemeine Wirtschaftspolitik & Bildung / Chefökonom

Das Wichtigste in Kürze

Der Fachkräftemangel ist Realität. Eine aktuelle Publikation des Seco zeigt, dass der Mangel bei den Ingenieurberufen am schwerwiegendsten ausfällt, noch vor Managern, Informatikern und Gesundheitsberufen. Der Markt im Ingenieurwesen war in den letzten Jahren von einem Anstieg der Nachfrage gezeichnet. Diese erhöhte Nachfrage konnte im Zuge der Personenfreizügigkeit vor allem auch mit Zuwanderern gedeckt werden. Studien zeigen jedoch, dass der demografische Wandel die Situation in Zukunft verschärfen wird. Langfristig ist in der Schweiz mit bis zu 50'000 fehlenden Ingenieuren zu rechnen. Die Gründe für diesen Mangel sind vielschichtig. Die Umfrage zeigt, dass erstens das fehlende Angebot an inländischen Ingenieuren ein ausschlaggebender Faktor ist. Zweitens sind auch viele Unternehmen nicht bereit oder in der Lage, nicht vollständig dem gesuchten Profil entsprechende Kandidaten einzuarbeiten. Drittens stimmen die Eigenschaften der Stellensuchenden oft nicht mit den Erwartungen der Arbeitgeber überein. Dieser Vielschichtigkeit kann nur mit einem mehrdimensionalen Ansatz begegnet werden. In der Verantwortung stehen neben der Politik auch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Einerseits ist das Angebot an inländischen Ingenieuren und insbesondere Ingenieurinnen durch bildungspolitische Massnahmen und überbetriebliche Initiativen zu steigern. Andererseits können mit innerbetrieblichen Massnahmen Unternehmen die Situation in ihren Betrieben teilweise entschärfen. Nicht zuletzt stehen die Arbeitnehmer in der Pflicht, sich dem stetigen technologischen Wandel zu stellen und sich regelmässig weiterzubilden.

Position economiesuisse

  • Bildungspolitische Massnahmen zur Stärkung der MINT-Fächer sind unumgänglich. Die Umsetzung des Lehrplans 21 ist in diesem Zusammenhang essenziell.
  • Die Zuwanderung bleibt notwendig, um den gravierenden Ingenieurmangel etwas zu entschärfen. Der Ingenieurberuf muss auch für Frauen attraktiver gestaltet werden. Erfahrene Ingenieure müssen unterstützt werden, bis zum Pensionsalter und darüber hinaus erwerbstätig zu bleiben.
  • Das Berufsbild des Ingenieurs ist zu schärfen. Bedeutung und Inhalte seiner kreativen, verantwortungsvollen und befriedigenden Tätigkeit müssen besser vermittelt werden.
  • Eine nachhaltige Lösung des Fachkräftemangels ist nur möglich, wenn alle am gleichen Strick ziehen. Auch Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen ihre Verantwortung wahrnehmen.