# 15 / 2016

Brexit und die Schweiz

Der Brexit-Entscheid markiert eine historische Zäsur in Europa. Die Schweiz ist hiervon stärker betroffen, als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage bei den Mitgliedern von economiesuisse. Entscheidend wird sein, auch in Zukunft Rechtssicherheit in den traditionell engen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich zu gewährleisten. Gleichzeitig sollen sich bietende Chancen möglichst optimal genutzt werden.

 

Dossier lesen
Lesezeit
30 Minuten
Zusammenfassung lesen
Lesezeit
8 Minuten

Kontakt und Fragen

Mario Ramò
Stv. Leiter Aussenwirtschaft
Dr. Jan Atteslander
Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter Aussenwirtschaft

Das Wichtigste in Kürze

Mit dem Votum der britischen Stimmbevölkerung für einen Austritt Grossbritanniens aus der EU steht Europa vor grossen Herausforderungen – sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht. Nebst der Entflechtung des komplexen Zuständigkeitsgefüges zwischen der EU und ihrem scheidenden Mitglied ist auch das Verhältnis des Vereinigten Königreichs zu wichtigen Handelspartnern neu zu regeln.

Dazu zählt auch die Schweiz. Für beide gehört das jeweils andere Land zu den wichtigsten Handelspartnern und Investoren. Der Austritt Grossbritanniens aus der EU betrifft die Schweiz folglich ganz direkt. Dies unterstreicht auch eine von economiesuisse durchgeführte Branchenumfrage. Dabei wurde einerseits die Bedeutung des britischen Marktes für die einzelnen Exportsektoren erfasst, andererseits aber auch die Herausforderungen analysiert, denen sich Schweizer Unternehmen im Kontext des Brexit gegenüberstehen. Je nach Branche sind diese unterschiedlich, müssen aber rasch und gemeinsam angegangen werden. Zentral ist dabei insbesondere der materielle Erhalt der bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU (insbesondere Bilaterale I und II sowie Freihandelsabkommen Schweiz-EU). Diese verlieren nach dem Brexit für Grossbritannien ihre Gültigkeit.

Bei der künftigen Ausgestaltung ist zentral, dass der Markzugang umfassend erhalten bleibt. Gleichzeitig sollen die Wirtschaftsbeziehungen vertieft werden – so beispielsweise bei den Finanzdienstleistungen. Neben dem Marktzugang ist auch die Zusammenarbeit der Behörden zum Abbau von administrativen Hindernissen auszubauen.

Position economiesuisse

  • Schweiz gehört klar zum «inner circle» der wichtigsten Handelspartner: Die Schweiz muss die britischen Partner kontinuierlich für die Bedeutung und den Vorteilen der schweizerisch-britischen Wirtschaftsbeziehungen sensibilisieren sich im Kreis jener Staaten positionieren, mit denen das Vereinigte Königreich seine Wirtschaftsbeziehungen prioritär neu aushandeln will.
  • Status Quo+ im gegenseitigen Marktzugang und Rechtssicherheit gewährleisten: Um Rechtssicherheit zu garantieren muss eine bilaterale Vertragslösung mit Grossbritannien zum Zeitpunkt des EU-Austritts vorliegen – allenfalls in Form eines Grandfatherings. Zentral ist in jedem Fall der materielle Erhalt der Bilateralen I und II sowie des Freihandelsabkommens Schweiz-EU. Gefordert wird ein umfassendes Feihandelsabkommen neuester Generation, welches auch eine Liberalisierung des Dienstleistungshandels und eine vertiefte regulatorische Kooperation einschliesst (Status Quo+).
  • Chance für Ausbau im Marktzugang nutzen: Chancen, im Verhältnis mit Grossbritannien über eine Ausweitung des aktuellen gegenseitigen Marktzugangs zu diskutieren, müssen genutzt werden. Jenseits des bestehenden Vertragszustands sieht die Schweizer Wirtschaft unter anderem Potenzial bei der Harmonisierung und Äquivalenz von Regulierungen oder der Liberalisierung von Ursprungsregeln.
  • Schweiz ist offen für Diskussionen über EFTA-Beitritt: Die Schweizer Wirtschaft steht einer allfälligen Diskussion grundsätzlich offen gegenüber, hält den Zeitpunkt für eine vertiefte Debatte und ein abschliessendes Urteil jedoch noch für verfrüht.